
Rommersdorf Festspiele unterhalten rund 3.500 Gäste
Foto: Wolfgang Hartmann
Vier Wochen lang wurde die Abtei Rommersdorf wieder zu einem Ort, an dem Kultur lebendig wird, Menschen zusammenkommen und unvergessliche Erinnerungen entstehen. Rund 3.500 Besucherinnen und Besucher kamen in die historische Klosteranlage in Neuwied-Heimbach-Weis und erlebten ein ebenso abwechslungsreiches wie hochkarätiges Programm aus Musik, Theater, Lesungen und Kabarett.
Ob im Englischen Garten oder in der beeindruckenden Atmosphäre der romanisch-gotischen Abteikirche – die einzigartige Kulisse der über 800 Jahre alten Abtei verlieh jeder Veranstaltung ihren ganz eigenen Zauber. Künstlerinnen und Künstler wie Publikum waren sich einig: Es ist dieses besondere Zusammenspiel aus Geschichte, Architektur und Kultur, das die Festspiele Jahr für Jahr zu einem außergewöhnlichen Erlebnis macht.

LaLeLu - Foto: Wolfgang Hartmann
Auch wenn die ursprünglich geplante Eröffnung mit der Freien Bühne Neuwied und Boris Weber dem Wetter zum Opfer fiel, ließ der Start nicht lange auf sich warten. Bluesrock-Star Andreas Kümmert setzte anlässlich des zehnjährigen Bestehens der BLUESFREUNDE NEUWIED mit unverwechselbarer Stimme und seiner Band ein musikalisches Ausrufezeichen. Ein Auftakt, der Lust auf mehr machte.
Dass Schauspielkunst und musikalisches Talent oft Hand in Hand gehen, bewiesen Fernsehgröße Gustav Peter Wöhler und Thomas Rühmann. Als hervorragende Musiker sorgten sie mit ihren Bands für emotionale Konzertabende. Überhaupt zählen renommierte Schauspielerinnen und Schauspieler seit vielen Jahren zu den besonderen Festspiel-Gästen: Johann von Bülow und Walter Sittler widmeten sich mit feinem Humor und kluger Beobachtung den „Wahrheiten über die Lüge, während Anja und Gerit Kling bei „Dann eben ohne Titel – wir konnten uns mal wieder nicht einigen“ zum Lachen wie auch zum Nachdenken anregten.

MAYBEBOP - Foto: Wolfgang Hartmann
Musikalisch bot das Festival ebenso viele Höhepunkte. Die „Drei Freunde – Drei Tenöre“ entführten das Publikum in die Welt großer Opern- und Operettenmelodien. Für den Heimbach-Weiser Tenor Michael Kurz war es einmal mehr ein Heimspiel – gemeinsam mit seinen beiden befreundeten Tenorkollegen sorgte er für eine restlos gefüllte Abteikirche und stehende Ovationen.
Gleich doppelt lockte in diesem Jahr A-cappella-Kunst auf hohem Niveau. Die Publikumslieblinge von MAYBEBOP sowie das Hamburger Quartett LaLeLu faszinierten mit beeindruckender Stimmakrobatik. Besonders bemerkenswert war das Kompliment, das LaLeLu spontan ins Publikum rief: Die Bühne der Abtei Rommersdorf sei „eine der schönsten Bühnen Deutschlands, auf der wir spielen dürfen“. Größeres Lob kann es für Veranstalter und Abtei wohl kaum geben.

Tenöre - Foto: Wolfgang Hartmann
Ein besonderes Erlebnis für die zahlreichen Zuhörenden aus der Region bot das geplante Wandelkonzert des Männergesangvereins „Rheinperle“ Weis und des Frauenchors „Cäcilia“ Gladbach. Zwar machte das Wetter den ursprünglichen Plänen einen Strich durch die Rechnung, sodass das Konzert vollständig in der Abteikirche stattfand. Der Begeisterung tat das keinen Abbruch – im Gegenteil: Die besondere Akustik des historischen Gotteshauses verlieh den Chorklängen eine zusätzliche emotionale Tiefe.
Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker widmete sich mit gewohnt scharfem Blick der Frage, welche Kraft Musik auf unser Leben ausübt. Mit intelligentem Witz und hintergründigen Beobachtungen zeigte er, wie sehr Musik Generationen verbindet und unsere Gesellschaft prägt. Bunt, glamourös und mitreißend wurde es schließlich mit dem Drag-Duo Gina & Glinda. Die beiden Künstler verbanden Musik, Schauspiel, Comedy und Travestie zu einer energiegeladenen Show voller Charme. Sie bewiesen eindrucksvoll: So vielfältig kann das Programm der Festspiele sein!

Wandelkonzert - Foto: Wolfgang Hartmann
Mit etwas Verspätung konnte schließlich auch die verschobene Theatervorstellung nachgeholt werden. Im Englischen Garten feierte die Freie Bühne Neuwied mit Boris Webers „Liebe alla Woody“ umjubelte Premiere. Nicht nur Fans von Woody Allens Filmen kamen da auf ihre Kosten. Dass Theater und Musik auch die Kleinsten begeistert, stellte das Familienprogramm unter Beweis. Gemeinsam mit Tammy Sperlich sorgte Weber mit dem Stück „AlpakaLamaDrama“ für Krimispaß. MAYBEBOP bewies mit ihrer interaktiven Show „Kinderkram“, dass A-cappella-Musik jedes Alter begeistern kann.
Ergänzt wurden die Festspiele auch in diesem Jahr durch zwei besondere Zusatzveranstaltungen. Die Freunde des „Mittelrhein Musik Festivals“ kamen bei dem Konzert der Instrumental-Band WILDES HOLZ auf ihre Kosten. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „RheinVokal“ sorgte anschließend das Ensemble THE CURIOUS BARDS mit nordischen Klängen für einen stimmungsvollen Konzertabend.
Trotz wetterbedingter Herausforderungen ziehen die Veranstalter eine rundum positive Bilanz. Neuwied OB Jan Einig zeigt sich hochzufrieden: „Wir konnten in diesem Jahr wieder viele Menschen für Kultur in der Abtei begeistern. Auch wenn der Wettergott nicht immer auf unserer Seite war, hat Klaus Kurz von unserem Kulturbüro gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen erneut einen außergewöhnlichen Festspielsommer auf die Beine gestellt.“ Auch Dr. Hermann-Josef Richard, Vorsitzender der Abtei Rommersdorf-Stiftung, blickt mit großer Freude auf die vergangenen Wochen zurück: „Die Stadt Neuwied hat mit einem vielfältigen Programm und hervorragenden Veranstaltungen erneut dafür gesorgt, dass sich die Abtei von ihrer schönsten Seite präsentieren konnte.“
So haben die Rommersdorf Festspiele wieder eindrucksvoll gezeigt, welche Strahlkraft Kultur entfaltet, wenn außergewöhnliche Künstlerinnen und Künstler auf einen ebenso außergewöhnlichen Ort treffen. Die Abtei Rommersdorf war erneut weit mehr als eine Veranstaltungsstätte – sie bot Raum für Begegnungen, Emotionen und gemeinsame Erlebnisse. Ein Veranstaltungssommer, der noch lange nachklingen wird.

