Interdisziplinäre Versorgung im Gynäkologischen Krebszentrum bietet Sicherheit
Foto: GK-Mittelrhein/Christina Ehricht
KOBLENZ. Eine harmlose Erkältung führte bei Birgit Häring zu einer folgenschweren Diagnose: Während die 61-Jährige ihre Beschwerden zunächst für Nebenwirkungen der vom Hausarzt verschriebenen Erkältungsmedikamente hielt, machte sie das zunehmende Völlegefühl dann doch stutzig. „Irgendwann fühlte es sich an, als ob ich schwanger wäre – der Bauch wurde immer dicker, meine Hosen gingen kaum noch zu“, berichtet die Mutter eines erwachsenen Sohnes.
Bei einem erneuten Arztbesuch brachte schließlich eine Ultraschalluntersuchung Klarheit: Flüssigkeit im Bauchraum – ein Warnsignal, zu dessen Abklärung die Patientin umgehend an das Gynäkologische Krebszentrum im Kemperhof überwiesen wurde. Das Team um Leiter Dr. med. Arno Franzen hatte die Patientin bereits 2010 im Zuge der erfolgreichen Behandlung ihrer Brustkrebserkrankung betreut.

Nach weiterführender Diagnostik einschließlich bildgebender Verfahren stand fest: Grund für die Beschwerden ist ein Ovarialkarzinom. „Da Eierstockkrebs im Frühstadium meist keine eindeutigen Symptome verursacht, bleibt die Erkrankung häufig lange unentdeckt“, erklärt der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Kemperhof. „Erste Anzeichen wie Blähungen, Verdauungsprobleme oder diffuse Schmerzen im Bauch-, Becken- oder Rückenbereich sind unspezifisch und werden oft anderen Ursachen zugeschrieben. Umso wichtiger ist es, anhaltende oder sich verschlechternde Beschwerden ärztlich abklären zu lassen.“
Im Rahmen einer umfangreichen Operation wurden Gebärmutter, Eierstöcke und alle anderen Absiedelungen an den inneren Organen der Bauchhöhle und des Bauchfells entfernt. Solch umfassende Eingriffe sind wesentlich für die Genesung und setzen eine interdisziplinäre Planung und Infrastruktur mit den operativen Nachbardisziplinen und der Intensivmedizin voraus, welches regelhaft bei der gynäkologisch onkologischen OP- Planung Berücksichtigung findet“, erklärt der Chefarzt. Dieses Netzwerk greift auch nach Entlassung, wie sich im Fall von Frau Häring zeigte: Später aufgetretene lokale Wundheilungsstörungen am Darm konnten im Zentrum behoben werden. 

Birgit Häring profitierte von der ganzheitlichen Betreuung im Gynäkologischen Krebszentrum des Kemperhofs unter der Leitung von Chefarzt Dr. med. Arno Franzen. Dazu gehörte auch eine umfassende Aufklärung über nötige operative Eingriffe und den weiteren Therapieverlauf inklusive genetischer Beratungsmöglichkeit.  Foto: GK-Mittelrhein/Christina Ehricht

In spezialisierten onkologischen Zentren wie dem Kemperhof werden alle Fälle interdisziplinär in Tumorkonferenzen besprochen und die weitere Therapieplanung auf Grundlage von bundesweit einheitlichen Leitlinien festgelegt. Damit ist eine Behandlung nach aktuellem medizinischem Standard gewährleistet. 
Für Birgit Häring wird sich nun eine ambulante Chemo-Immuntherapie in der Onkologischen Schwerpunktpraxis am Kemperhof anschließen. Die wohnortnahe Versorgung mit vertrauten Ansprechpartnern erleichtert die Behandlung erheblich. „Zum Glück wohne ich nicht weit von Koblenz entfernt, sodass sich das gut umsetzen lässt“, sagt sie. „Und ich bin froh, dass ich hier in guten Händen bin!“ 
Zur Klärung eines möglichen genetischen Zusammenhanges bietet die Frauenklinik zudem die Möglichkeit der genetischen Beratung und Testung in enger Kooperation mit dem Deutschen Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs an. Dieses Angebot umfasst unter anderem die Aufklärung über eventuelle Risiken für Angehörige. „Das Recht auf Nichtwissen ist dabei ebenso wichtig wie das Recht auf Wissen“, betont Dr. Franzen. Gleichzeitig eröffnen neue Forschungserkenntnisse zunehmend bessere Therapie- und Vorsorgemöglichkeiten. „Während es vor einigen Jahren noch sehr lange dauerte, bis genetische Untersuchungen ausgewertet waren, liegen die Ergebnisse mittlerweile in der Regel nach drei bis vier Wochen vor und können daher in individuelle Therapiekonzepte einfließen.“ Ein weiterer Vorteil: Die Ergebnisse genetischer Analysen werden langfristig gespeichert und regelmäßig überprüft. So können Betroffene auch Jahre später von neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren.
Kontakt:
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Kemperhof
Koblenzer Straße 115-155 | 56073 Koblenz 
E-Mail: frauenklinik-koblenz@gk.de