Tobias Härtling, BSW-Fraktionsvorsitzender im Neuwieder Stadtrat, sieht die Brandmauer kritisch und tut kund, für Wahlkampfdebatten zwischen AfD und BSW zu sein. Dass es laut Tobias Härtling nichts Demokratischeres gebe als eine öffentliche Diskussion, kann man als Allgemeinplatz so stehen lassen. Es gibt keinen zwingenden Grund, dem zu widersprechen.

Wenn der BSW-Fraktionschef im Neuwieder Stadtrat jedoch grinsend in den Raum stellt, Alice Weidel sei für eine Diskussion mit Sahra Wagenknecht zu feige, denn wenn die AfD-Chefin im Duell gegen Wagenknecht verliere, könnte es diese Partei Punkte kosten und eine Chance für das BSW sein, bewegen wir uns in das Reich der Träume und Selbsttäuschungen. Während die AfD im Herbst wohl erfolgreich sein wird, ist das BSW auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit, wenn es in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern den Einzug in die Länderparlamente nicht schafft.

In gewisser Weise schleimt Sahra Wagenknecht mit ihrer Bitte um gemeinsame Wahlkampfauftritte die AfD-Chefin somit tatsächlich an, weil sie eine lebenserhaltende Hilfestellung durch Alice Weidel gut gebrauchen könnte. Und weil das durchschaubar ist, sagt die AfD-Chefin verständlicherweise zu solchen gemeinsamen Auftritten vor den Landtagswahlen Nein.

Aber selbstverständlich ist Weidel grundsätzlich gesprächsbereit, wenn das BSW die Fünf-Prozent-Hürde schafft. Das ergibt sogar einen Sinn, falls die AfD in Sachsen-Anhalt unter der absoluten Mehrheit der Sitze im Parlament bleibt und die Abgeordneten des BSW zum Regieren reichen. In Italien gab es ja schon eine panpopulistische Regierung: das linkspopulistische Movimento Cinque Stelle mit der weit rechts stehenden Lega. Und in Griechenland reichte es der linkspopulistischen Partei Syriza von Alexis Tsipras nicht für die Regierungsmehrheit, so dass sie die Abgeordneten einer kleinen rechtsradikalen Partei brauchte.

Für den leider nicht wirklich auszuschließenden Fall einer italo-griechischen Konstellation in Sachsen-Anhalt freue ich mich unter derartigen Umständen doch darauf, dass uns Tobias Härtling fortlaufend erklären wird, wo dann die Unterschiede zur AfD liegen und auch, wo noch Probleme mit und in dieser Partei bestehen. Härtlings Diffamierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als „propagandistischen Staatsfunk“zeigt ja, dass er schon ganz fleißig am Üben ist, um eine etwaige Kellnerrolle seiner Partei in der sachsen-anhaltischen AfD-Küche wohlwollend kommentierend zu begleiten.