
Heiße Eisen angepackt
Bild: w.steinmetz
Nach dem großen Erfolg der ersten Ausgaben von Talk im Turm war klar, dass es eine Fortsetzung geben musste. Der als „Deichgesicht“ bekannte Moderator Gerd Finkemeier hatte für die neue Ausgabe mit dem Schauspieler Boris Weber und dem Imam der Ahmadiyya-Gemeinde Neuwied Mudassar Ahmed wieder zwei Gäste in das Bistro Turm in die Museumstraße eingeladen, die eigentlich Harmonie und Eintracht versprachen.
Das war auch in weiten Teilen des Abends so. Wenn Weber über seine Anfänge auf der Bühne erzählte oder manche skurrile Theater-Geschichte auspackte. Wie er zum Beispiel im Koblenzer Theater unter Gefährdung der ersten Reihen von der Bühne kippte, dann wurde auch herzlich gelacht. Und wenn der – übrigens mit 29 Jahren noch recht junge - Imam die Unterschiede zwischen Sunniten und Schiiten erklärte oder warum der Islam keine aggressive Religion ist, wurde es mucksmäuschenstill im proppenvollen Saal im Turm.
Da wurde über „Gott und die Welt“ diskutiert: intensiv – aber nie verbissen, mit positiver Grundeinstellung – aber nie platt.
Besonders interessant war das Ganze dann, wenn der Moderator nachhakte und sich beide Gäste trauten, heiße Eisen anzupacken. So sprach Imam Ahmed deutliche Worte zu den Attentaten von Islamisten, die er schließlich als Idioten bezeichnete. Eine Wortwahl, die man von vielen Muslimen nicht hört. Auch wenn nicht alle Prinzipien der Ahmadiyya-Welt den westlichen Normen und Standards entsprechen, waren sie für viele nachvollziehbar und akzeptabel.
Und Boris Weber berichtete über alte und neue Projekte seiner Freien Bühne Neuwied. Warum er die skurrile Figur des Rainer erfunden hat, der jedes Jahr die Fastnacht rettet. Oder warum er das heißgeleibte Shakespeare-Stück in seinem hohen Alter von 50 Jahren kaum noch spielen kann.

von links: Boris Weber, Gerd Finkemeier, Mudassar Ahmed - Bild: w.steinmetz
Dann gab es aber noch eine faustdicke Überraschung: Boris Weber will einmal Intendant des Schlosstheaters werden! Dass er eine besondere Beziehung zur Spielstätte hat, war bekannt. Aber dass er es in dieser Deutlichkeit ausspricht und als seinen Herzenswunsch bezeichnet, überraschte doch. Vom Publikum wurde dies mit langanhaltendem Beifall begrüßt. Ein „heißes Eisen“, da der aktuelle Intendant René Heinersdorff noch nicht erklärt hat, ob er seinen Vertrag mit der Landesbühne verlängern will.
Nach zwei Stunden Talk war klar: so unterhaltsam und trotzdem informativ kann ein Abend sein. Wenn er in lockerer Kneipen-Atmosphäre mit Gästen stattfindet, die etwas zu erzählen habe. Und aus den strahlenden Gesichtern der Besucher war abzulesen: Hoffentlich bald wieder Talk im Turm!
Der Offene Kanal Neuwied hat den Talk aufgenommen. Er ist ab Donnerstag, den 28.05.2026 über die Mediathek des OK zu sehen oder im Internet über youtube (Eingabe: Talk im Turm Neuwied).
Ok Neuwied:
https://www.ok4.tv/neuwied/
Youtube:
https://www.youtube.com/results?search_query=Talk+im+Turm+Neuwied

