
Herschbach: 2026 bleiben SWN-Preise stabil, aber Energiediscountern droht Schieflage
26.06.2026. Foto: Dennis Steinhardt/SWN
Neuwied. Das zwischen den USA und Iran vereinbarte Rahmenabkommen hat die internationalen Energiemärkte spürbar beruhigt. Dennoch bleibt Stadtwerke-Chef Stefan Herschbach skeptisch. „Es besteht nur ein Rahmen. Viele Details zur Umsetzung, Kontrolle und Durchsetzung bleiben offen, die aber entscheidend sind." Ein Preisrisiko sieht er aufgrund der niedrigen Füllstände in den Gasspeichern: Für Energiediscounter könnten höhere Einkaufspreise gefährlich und für deren Kunden erneut teuer werden.
Positiv sei, so stellt man in der Hafenstraße fest, dass die Wiederöffnung der Straße von Hormus die Ölpreise deutlich fallen ließ: Der Barrel Brent-Rohöl erreichte mit knapp 80 Dollar das niedrigste Niveau seit März. Auch der Gaseinkauf pendelt sich aktuell wieder ein und geht Richtung 30 Euro je Megawattstunde. Damit liegen die Preise deutlich unter dem Niveau der Energiekrise 2022, als bis zu 300 Euro je MWh gezahlt werden mussten.

Die Gaskugel in der Hafenstraße hat längst ausgedient, aber sie ist ein Symbol für die Gasspeicherung. Die Füllstände in den großen Speichern Deutschlands liegen erst bei 40 Prozent. Nach den gesetzlichen Vorgaben müssen es bis zum 1. November 80 Prozent sein. Damit das gelingt, könnte es sehr teuer werden. Das ist ein Problem für Energiediscounter, die kurzfristig Gas einkaufen. Bei den SWN sind die Beschaffungen jedoch langfristig: Für deren Kunden ein deutlicher Vorteil. Foto: Dennis Steinhardt/SWN
Die Börsen reagieren vor allem auf zwei positive Faktoren: das verringerte akute Kriegsrisiko in der Region sowie bessere Aussichten für iranische Ölexporte. Allerdings zeigen sich Experten zurückhaltend bei der Bewertung der langfristigen Stabilität. Herschbach weist darauf hin, dass die Straße von Hormus selbst bei Sicherheitsgarantien für die Schifffahrt nicht sofort vollständig sicher befahrbar sei. Bis die Minen geräumt sind, vergehen Monate. „Dort stecken mehrere hundert Schiffe fest. Das braucht Zeit." Reedereien und Marktbeobachter rechnen mit drei Monaten bis zu einem Jahr, bis sich der Öl-, Gas- und Düngemittelmarkt wieder normalisiert.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen die Fragilität der Situation: Nach der Öffnung sperrte der Iran die Meerenge wegen der Lage im Südlibanon erneut. Während in Luzern zwischen den USA und Iran verhandelt wurde, drohte US-Präsident Trump mit weiteren Angriffen. Die USA verkündeten Fortschritte, die der Iran prompt dementierte. Die USA sprechen von Atomkontrollen, Teheran lehnt ab. Alles innerhalb weniger Tage.
„Die Aussicht auf normale Spritpreise steigt, das ist wichtig", so Herschbach. „Damit sinken die Transportkosten für Waren." Er hoffe, dass dies auch die Inflationsgefahr bald eindämme. Sorge bereitet dem Geschäftsführer trotz sinkender Gaseinkaufspreise, dass die Gasspeicher auf sehr niedrigem Stand sind. Die Befüllung liegt aktuell bei knapp 40 Prozent. Nach den gesetzlichen Vorgaben müssen es bis zum 1. November 80 Prozent sein.
Kommen die Gasflüsse weltweit nicht schnell in normales Fahrwasser und steigt die Nachfrage vor dem Winter, könnten die Preise erneut steigen. „Der Spotmarkt, also dort, wo kurzfristig Energie eingekauft wird, ist sehr nervös. Wie schnell die Lage wieder eskalieren kann, haben die vergangenen Monate gezeigt", warnt Herschbach. Während die SWN ihren Strom- und Gasbedarf bis zu drei Jahre im Voraus eindecken, kaufen Energiediscounter kurzfristig ein. Schießen die Preise in die Höhe, könnte es erneut zu Insolvenzen kommen. Für Kunden der SWN bleiben die Preise in diesem Jahr aber stabil - obwohl bundesweit das Portal Verivox längst deutliche Anstiege meldete.

