Verkehrssicherheit erfordert Maßnahmen – SBN dokumentieren jeden Einzelfall
Fotos: SBN/Maxie Meier
25.09.26 Neuwied. Die Servicebetriebe Neuwied (SBN) werden ab Oktober an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet Bäume fällen müssen. Betroffen sind unter anderem der Schlosspark, die Kinzingstraße, die Engerser Landstraße, die Wallwiese sowie der Englische Garten der Abtei Rommersdorf. Die betroffenen Bäume sind größtenteils nicht mehr vital; Einige müssen aufgrund wichtiger Baumaßnahmen weichen. 
Im Schlosspark hat der Sturm im vergangenen Monat deutliche Spuren hinterlassen. Mehrere Bäume sind nicht mehr standsicher und müssen entfernt werden, bevor sie zur Gefahr für Passanten werden. Andere wachsen zu nah an der Bahntrasse. 

In der Kinzingstraße zeigen 70 bis 80 Jahre alte Kirschbäume die Folgen von Fehlern der Vergangenheit: Zu kleine Baumscheiben und Wurzelschäden durch notwendige Arbeiten an Versorgungsleitungen haben die Bäume so geschwächt, dass sie nicht mehr zu retten sind. „An diesem Standort hatten sie nie eine Chance, gesund zu altern“, erläutert Thomas Riehl, Bereichsleiter der Grünpflege in Neuwied.
An der Engerser Landstraße leiden Baumhaseln unter einer bakteriellen Infektion, die ihre Leitungsbahnen verstopft. „Pseudomonas syringae heißt der Übeltäter“, erklärt Riehl, „der den Transport von Wasser und Nährstoffen im Baum blockiert. Er verhungert und verdurstet – die Krone stirbt ab." Dieses Phänomen beobachten die Fachleute seit einigen Jahren vermehrt.

Die Säulen-Eichen im Englischen Garten der Abtei Rommersdorf halten sich wacker: Trotz Veranstaltungsbetrieb zu ihren Füßen stehen sie stabil. 

Pilzbefall als deutliches Warnsignal
Ein besonders kritisches Problem sind holzzersetzende Pilze. Während Pilze an Totholz eine wichtige ökologische Funktion erfüllen und von den SBN bewusst belassen werden, bedeuten sie an lebenden Bäumen eine ernste Gefahr. „Der Pilz ernährt sich von dem gesunden Holz. Und irgendwann hat der Baum keine Stabilität mehr. Und dann, bevor er umfällt, müssen wir ran“, so Riehl.
Im Englischen Garten der Abtei Rommersdorf, wo die beliebten Festspiele jährlich unter freiem Himmel begeistern, müssen ebenfalls einige Bäume weichen. Aber: Die wertvollen Säulen-Eichen, die zu den Raritäten des historischen Baumbestands gehören, halten die Belastung durch den Veranstaltungsbetrieb bisher gut aus. Die SBN beobachten sie besonders aufmerksam. 

„Wertvoll an Totholz, gefährlich für vitale Bäume: Dieser Pilz ernährt sich von Holz“, erklärt Thomas Riehl, Bereichsleiter der Grünpflege in Neuwied.  Fotos: SBN/Maxie Meier

Keine leichtfertige Entscheidung
Bäume zu fällen ist für die Grünpflege-Experten der SBN jedes Mal eine Überwindung. Jede Fällung wird sorgfältig geprüft. Bei Unsicherheiten ziehen sie externe Gutachter hinzu. Die Bäume werden regelmäßig kontrolliert, dokumentiert und wenn möglich durch Pflegemaßnahmen wie Entlastungsschnitte oder Kronenreduzierung erhalten.
Thomas Riehl: „Wir kennen unsere Bäume in Neuwied, dokumentieren ihre Entwicklung und beraten über notwendige Maßnahmen. Unser Ziel ist es, jeden Baum so lange wie möglich zu erhalten – dort, wo es fachlich und sicher vertretbar ist.“

Nackte Baumhasel in der Engerser Landstraße: Eine bakterielle Infektion verhindert den Transport von Wasser und Nährstoffen in die Krone.

Fehler der Vergangenheit wirken nach
Viele der jetzt betroffenen Bäume wurden vor Jahrzehnten unter Bedingungen gepflanzt, die heutigen Standards nicht entsprechen. Zu kleine Baumscheiben, zu enge Straßenzüge und nachträglich verlegte Versorgungsleitungen im Wurzelbereich haben die Lebensbedingungen der Bäume erheblich eingeschränkt. „Manchmal braucht man gar nicht in die Krone zu schauen, sondern sieht es schon an den Füßen: Wenn da keine Baumscheibe nach der heutigen DIN-Norm ist, mit 12 Kubikmeter durchwurzelbarem Raum, wird der Baum seine kalkulierte Standzeit von 80 bis 100 Jahren nicht erreichen", erläutert Riehl.
Bei Neuanpflanzungen werden heute größere Baumscheiben angelegt und weniger Bäume auf engerem Raum gepflanzt, um jedem Einzelnen bessere Wachstumsbedingungen zu bieten.

Auto gegen Baum – dabei gibt es keine Gewinner. Die Delle im Auto zeigt sich sofort; Der Schaden am Baum kann ihn nach mehreren Jahren das Leben kosten.

Artenschutz bestimmt den Zeitpunkt
Wo möglich, planen die SBN die Fällungen in der vegetationsarmen Zeit, um Konflikte mit nestbauenden Vögeln zu vermeiden. Bei akuter Gefahr, wie etwa durch Sturmschäden, muss jedoch sofort gehandelt werden – unabhängig von der Jahreszeit.
Die Servicebetriebe Neuwied bitten um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen. Die Verkehrssicherheit habe oberste Priorität, auch wenn jede Fällung den Mitarbeitern schwerfalle.