Quod licet Iovi, non licet bovi heißt auf Deutsch: „Was dem Jupiter (dem höchsten römischen Gott) erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt“. Aus dem jeweiligen Status ergeben sich unterschiedliche Befugnisse. „Mit zweierlei Maß messen“ ist eine etwas schwächere Redewendung. In der bayerischen Komödie „Moral“ von Ludwig Thoma über die Verlogenheit bürgerlicher Moral heißt es, Moral und Sittlichkeit bräuchte man nur für die unteren Klassen zu predigen. Als Politiker am Verbot einer Leihmutterschaft festzuhalten, es als Privatperson aber zu umgehen, ist indes eigentlich mehr als nur Doppelmoral.
Zugespitzt formuliert könnte man sagen, Jens Spahn und Gleichgesinnte sind letztlich keine guten Demokraten, weil sie eher im vordemokratisch-aristokratischen Dünkel vor der Französischen Revolution zu Hause sind. Dazu passt auch, dass aus der Union zunächst nur aus den ganz hinteren Reihen Widerspruch kommt. So mahnt der Vizechef der Jugendorganisation des CDU-Sozialflügels, Sean Zielinski, Glaubwürdigkeit an: „Wenn die CDU und CSU Leihmutterschaften aus ethischen Gründen ablehnen und die Union als Gesetzgeber diese auch verbietet, dann sollte dieser Maßstab auch für ihre führenden Repräsentanten gelten.“

