2026-04-15T08:11:09
PD Neuwied (ots) -
Die Verkehrsunfallstatistik 2025 fasst das Verkehrsunfallgeschehen des vergangenen Jahres im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Neuwied zusammen und stellt damit die wesentliche Grundlage zur Betrachtung der Unfallentwicklung dar, in deren Folge polizeiliche Maßnahmen, orientiert an erkannten Entwicklungen weitergeführt oder gegebenenfalls in Teilbereichen intensiviert werden müssen.
Im zugrundeliegenden Berichtszeitraum 2024 wurden im Bereich der Polizeidirektion Neuwied insgesamt 9.378 Verkehrsunfälle registriert. Dies stellt einen Rückgang um 255 Verkehrsunfälle oder 2,6 % im Vergleich zum Vorjahr dar. Rund 70 % aller Unfälle ereigneten sich innerhalb der geschlossenen Ortschaft.
Bei 1.030 Unfällen entstand Personenschaden, bei 12 Unfällen starben 13 Menschen. Im Vergleich zum Vorjahr bleiben Verkehrsunfälle mit Personenschaden auf konstantem Niveau. Insgesamt verunglückten 1.296 Verkehrsteilnehmer (- 2,6 %). Die Anzahl der Schwerverletzten mit insgesamt 201 liegt über dem Vorjahresniveau (+ 8,1 %). Als schwerverletzt gilt ein Unfallbeteiligter, wenn er zu einer länger als 24 Stunden andauernden stationären Behandlung ins Krankenhaus verbracht wird.
Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Flucht nahm um 3,3 % auf insgesamt 2.053 Unfälle ab. Damit flüchtete wie in den Jahren zuvor jeder Fünfte Unfallbeteiligte von der Unfallstelle. 812 Fälle konnten von der Polizei aufgeklärt werden, was einer Aufklärungsquote von 39,6 % entspricht.
Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung stiegen um 22,8 Prozent auf 70 Unfälle. 101 verunglückte Kinder wurden insgesamt registriert. 15 Kinder erlitten schwere Verletzungen und bei 14 Unfällen war ein Zusammenhang mit dem Schulweg zu sehen.
Bei der Risikogruppe "Junger Fahrender" im Alter von 18 bis 24 Jahren treffen häufig mangelnde Fahrerfahrung und erhöhte Risikobereitschaft aufeinander und führen zu teilweise folgenschweren Verkehrsunfällen. Die Unfallbeteiligung "Junger Fahrender" ist im Vergleich zum Vorjahr erfreulicherweise um 9,2 % gesunken. Auch im Bereich der Verkehrsunfälle mit Personenschaden ist bei den jungen Fahrenden ein geringer Rückgang festzustellen (- 2,8 %). Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der schwerletzten Jungen Fahrenden allerdings angestiegen (+ 29 %). In der langfristigen Betrachtung bewegt sich die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung Junger Fahrender trotz Rückgangs noch immer auf hohem Niveau.
Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren ab 65 Jahren bleiben mit 2.173 Unfällen auf ebenfalls auf hohem Niveau. Senioren sind seit 4 Jahren in Folge an mehr Verkehrsunfällen beteiligt als junge Fahrende. Die Jahresunfallbilanz weist 147 verletzte Senioren auf (- 20,5 %). Ein Senior starb.
Das Fahrrad bzw. Pedelec als Fortbewegungsmittel liegt ungebrochen im Trend. Das zeigen auch die Verkehrsunfallzahlen. So wurden 218 Verkehrsunfälle mit Radfahrenden im vergangenen Jahr registriert, davon 34 mit Beteiligung eines Pedelecs. Das sind 3,5 % mehr als im Vorjahr. In rund 74 % dieser Unfälle kam es zu Personenschäden. 162 Radfahrende verunglückten. Erfreulich ist, dass kein Radfahrender ums Leben kam, jedoch verletzten sich 38 schwer. Leider tragen immer noch sehr viele Radfahrende keinen Schutzhelm, obwohl diese Schutzausrüstung nachweislich das Risiko, eine schwere Kopfverletzung zu erleiden, deutlich minimiert.
Das Motorradfahren gehörte auch 2025 wieder mit zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Die Polizei registrierte in der Risikogruppe der Motorradfahrenden insgesamt 219 Verkehrsunfälle. Das sind 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei 148 Unfällen war Personenschaden zu beklagen. Erneut starben vier Biker, 47 wurden schwer verletzt. Bei 35 % handelte es sich um "Alleinunfälle". In diesen Fällen war eine nicht angepasste Geschwindigkeit weit überwiegend als unfallursächlich anzunehmen.
Verkehrsunfälle mit Beteiligung eines LKW bleiben auch im langfristigen Vergleich auf hohem Niveau und stiegen mit 1.101 Unfällen auf einen langjährigen Höchstwert. Das Jahresmittel liegt bei 1.062 Unfällen. In rund 93 % der Fälle handelte es sich um reine Sachschadensunfälle. Unter den wenigen Personenschadensunfällen (81 Unfälle) mit insgesamt 105 verunglückten Personen ist bedauerlicherweise auch eine getötete Person zu beklagen.
Mit Blick auf die Unfallursachen ist ein unzureichender Sicherheitsabstand Hauptunfallursache Nr. 1. Rund 14 % (1.332 Unfälle) aller registrierten Unfälle sind auf die Missachtung der Abstandsregeln zurückzuführen, obwohl die technische Sicherheitsausrüstung in den Fahrzeugen immer weiter fortschreitet.
Auch das Fahren mit nicht angepasster oder zu hoher Geschwindigkeit gehört nach wie vor zu den Hauptunfallursachen, ging jedoch um 13.1 % auf 715 Unfälle zurück. Nicht angepasste Geschwindigkeit ist auch weiterhin Hauptunfallursache für Verkehrsunfälle mit Personenschaden, denn bei fast jedem dritten Unfall, der auf die Ursache Geschwindigkeit zurückzuführen ist, sind Verletzte zu beklagen. Im vergangenen Jahr starben vier Menschen infolge des Fahrens mit nicht angepasster Geschwindigkeit.
Ein Rückgang um ca. 14,9 % auf 57 Unfälle ist bei den Ablenkungsunfällen festzustellen. Seit 2021 werden diese Unfälle statistisch erfasst, die sich infolge von Unachtsamkeit in Form einer Ablenkung, beispielsweise durch die Nutzung von Smartphones oder anderen elektronischen Geräten ereignet haben. Mit gezielten Kontrollmaßnahmen konnten im Direktionsbereich Neuwied unter anderem 620 Ordnungswidrigkeiten wegen Ablenkungsverstößen, ohne dass es zum Unfall kam, festgestellt und angezeigt werden.
Eine weitere ernstzunehmende Unfallursache stellt ungebrochen die Alkohol- oder Drogenbeeinflussung am Steuer dar. So registrierten die Dienststellen insgesamt 143 Unfälle im Zusammenhang mit einer Alkoholbeeinflussung (Vorjahr 162). Unfälle mit Personenschaden, bei denen der Fahrer unter dem Einfluss von Drogen stand, blieben mit 60 Unfällen auf konstantem Niveau (2024: 59 Unfälle). Im Rahmen von gezielt ausgerichteten Kontrollmaßnahmen konnten im letzten Jahr insgesamt 370 alkoholisierte und 311 drogenbeeinflusste Fahrer aus dem Verkehr gezogen werden, noch bevor es zu einem Unfall kam. Hinzu kommen 12 Fälle bei denen die Beamten eine sogenannte Trunkenheitsfahrt vor Fahrtantritt verhindern konnten.
Verkehrssicherheitsarbeit ist nach wie vor eine Kernaufgabe und zugleich besonderes Anliegen der Polizei. Gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen um den Klimawandel und er politisch eingeleiteten Verkehrswende unter Einbeziehung neuer Arten der Verkehrsbeteiligung sowie der Forcierung von Elektro-Mobilität, ist und bleibt Mobilität altersgruppenübergreifend von zentraler Bedeutung. In der Folge gilt es auch für die Polizei, den Herausforderungen bei steigender Verkehrsdichte, unterschiedlichen Verkehrsbeteiligungsformen und fortschreitender technischer Entwicklung in einer Form gerecht zu werden, die es allen Verkehrsteilnehmenden ermöglicht, weiterhin sicher am Straßenverkehr teilzunehmen.
Die Polizeidirektion Neuwied wird daher ihre Schwerpunkte in der Verkehrssicherheitsarbeit auch weiterhin so wählen, dass der Fokus auf besonders gefährdete und unfallbelastete Risikogruppen gerichtet ist und diesen sowie den übrigen Verkehrsteilnehmenden durch verschiedenste, gezielte Maßnahmen eine sichere Verkehrsteilnahme ermöglicht wird.

