Aktive Totraumreduktion bringt neue Luft für die Lunge
Foto: GK-Mittelrhein/Jutta Münch
KOBLENZ. Sie sind die Vorreiter in Koblenz: Auf den interdisziplinären Intensivstationen im Kemperhof und Ev. Stift St. Martin wird seit einigen Monaten eine neue Methode angewendet: die aktive Totraumreduktion. Sie ermöglicht eine besonders schonende künstliche Beatmung. Das betreuende Koblenzer Medizintechnik-Unternehmen Technologie Institut Medizin (TIM GmbH) kam mit einer Delegation führender Intensivmediziner aus Riga zu Besuch, um den direkten Erfahrungsaustausch mit den Koblenzer Pflegekräften und Ärzten zu ermöglichen.

Was ist eine Totraumreduktion? Bei künstlicher Beatmung entsteht im Schläuche-System des Beatmungsgeräts ein sogenannter „apparativer Totraum“, ein Bereich, in dem ausgeatmete, kohlenstoffdioxidreiche Luft stehen bleibt und beim nächsten Atemzug zunächst wieder in die Lunge gelangt. Das System ersetzt diese Luft nun gezielt durch frisches Atemgas. So kann das Beatmungsgerät die Lunge mit kleineren, schonenderen Atemzügen unterstützen – ein wichtiger Vorteil. Prof. Dr. med. Samir Sakka, Chefarzt der Klinik für Intensivmedizin des GK-Mittelrhein in Koblenz, erklärt es anschaulich: „Stellen Sie sich einen langen Gartenschlauch vor, in dem nach dem Durchspülen noch altes Wasser bleibt. Wird erneut Wasser durchgeleitet, mischt sich dieses zuerst mit dem alten Wasser. Das System entfernt dieses Restwasser vor dem nächsten Durchlauf – beim Beatmungssystem also die verbrauchte, CO₂-reiche Luft.“
Das Team um Prof. Sakka hat das in Deutschland entwickelte System als einer der ersten Anwender eingesetzt. Inzwischen sind mehr als 50 Patienten damit behandelt worden. Erste positive Erfahrungen hat der Leitende Oberarzt Patrick Kassenbrock erstmals in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. „Für unsere Patienten, vor allem jenen mit schwer geschädigten Lungen, bedeutet das die Möglichkeit einer schonenderen Behandlung bei schweren Atemstörungen“, freut sich der Chefarzt. 

Beim Besuch von begeisterten Intensivmedizinern aus Riga stellten die kommissarische Pflegedirektorin Sonja May und Chefarzt Prof. Dr. med. Samir Sakka (von rechts) das neue, besonders schonende Beatmungssystem auf der Intensivstation im Ev. Stift vor. Mit dabei waren auch Verantwortliche des Medizintechnik-Unternehmens. Foto: GK-Mittelrhein/Jutta Münch