
3.000 Handwerksbetriebe berichten über ihre Wirtschaftslage: Gesamt-Index fällt zum vierten Mal in Folge – das hat es in 36 Jahren Konjunkturumfrage noch nie gegeben
Foto-Quelle: HwK Koblenz (Jörg Diester)
KOBLENZ. Seit dem Frühjahrskonjunkturbericht der Handwerkskammer (HwK) Koblenz im Jahr 2022 geht es in kleinen Schritten abwärts – ein Alarmsignal, denn seit Erfassung der Daten aus 3.000 Handwerksbetrieben hat es das noch nicht gegeben! „Wir erleben hier nicht die großen Einbrüche wie nach der Bankenkrise 2008 oder dem Ausbruch des Corona-Virus 2020. Das ist ein mäßiger, aber kontinuierlicher Abwärtstrend, der sich mit dem Gesamtzustand der deutschen Wirtschaft deckt. Die Alarmsignale sind unübersehbar“, fassen Kurt Krautscheid und Ralf Hellrich als Kammerspitze die Kernaussage der aktuellen Erhebung zusammen. Die relevanten Werte des Berichts werden seit 1990 in der heutigen Form erhoben und lassen so gute Vergleichsmöglichkeiten zu.

Florian Larscheid aus Insul an der Ahr ist seit 2025 als Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister selbstständig und nach sechs Monaten Unternehmertum zufrieden mit der Auftragslage. Foto-Quelle: HwK Koblenz (Jörg Diester)
Dabei gab es nach dem Herbstkonjunkturbericht 2025 durchaus Anzeichen für eine Erholung und die befragten Unternehmen gingen von einer Talsohle aus, die erreicht sei. Doch geopolitische Spannungen, militärische Konflikte und damit steigende Energiepreise, Lieferverzögerungen und weitere Verunsicherung auf den Weltmärkten haben diese Hoffnung schnell abkühlen lassen. Dies wirkt sich auch auf die Bewertungen der guten und befriedigenden Geschäftslage des Handwerks im Kammerbezirk Koblenz aus. Nach der aktuellen Umfrage hat die Stimmung ein Vierjahrestief erreicht. Für den aktuellen Konjunkturbericht melden 75 Prozent (Vorjahreswerte in Klammern: 78 %) der befragten Handwerksbetriebe eine gute oder befriedigende Geschäftslage. Wichtige Konjunkturindikatoren wie der Auftragseingang und die Umsatzentwicklung stellen sich rückläufig dar. 80 Prozent (67 %) der Befragten melden höhere Einkaufspreise, hingegen geben nur 38 Prozent (38 %) höhere Verkaufspreise an. Zukünftig erwarten 78 Prozent (56 %) der Betriebe höhere Einkaufspreise und 51 Prozent (38 %) planen, ihre Verkaufspreise zu erhöhen. Auch die Einschätzungen für die nächsten drei Monate sind verhaltener. Dann gehen 81 Prozent (82 %) der Befragten von einer zufriedenstellenden Geschäftslage aus.
„Anfang des Jahres waren wir optimistisch, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung des Handwerks im nördlichen Rheinland-Pfalz in 2026 stabil behauptet und sich eine Aufbruchstimmung zeigt. Leider dominieren nun wieder schlechte Nachrichten das Tagesgeschehen und die stark steigenden Energiekosten verunsichern die Betriebe und die Handwerkskunden. Dennoch hoffen wir, dass die staatlichen Mehrausgaben nach und nach greifen und die Nachfrage auch im Handwerk vorantreibt,“ kommentiert die Hausspitze, Kurt Krautscheid als Präsident und Ralf Hellrich als Hauptgeschäftsführer der HwK, die neuesten Umfrageergebnisse.
Betriebsauslastung und Umsatzentwicklung weiter rückläufig
Die Kapazitätsauslastung hat sich im Frühjahr 2026 zum vierten Mal in Folge verschlechtert. 64 Prozent (65 %) der Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Koblenz geben an, mindestens zu 70 Prozent ausgelastet zu sein. Der Auftragsvorlauf hat sich ebenfalls auf 10,6 Wochen (11,2 Wochen) weiter reduziert. Die Umsatzentwicklung ging zurück: aktuell geben 15 Prozent (16 %) der Befragten an, dass die Umsätze gestiegen sind, 40 Prozent (44 %) geben gleich hohe Umsätze gegenüber dem Vorquartal an, 45 Prozent (40 %) müssen Umsatzeinbußen hinnehmen.
Beschäftigungsentwicklung rückläufig, Investitionstätigkeit zufriedenstellend
8 Prozent (9 %) der befragten Betriebe stellen im ersten Quartal dieses Jahres Mitarbeiter ein, 21 Prozent (19 %) müssen Personal entlassen. 71 Prozent (72 %) der befragten Betriebe haben in diesem Jahr noch keine personellen Veränderungen vorgenommen. Perspektivisch befürchten 15 Prozent (15 %), in den nächsten drei Monaten Personal entlassen zu müssen, 12 Prozent (12 %) möchten mehr Personal beschäftigen.
Die Investitionstätigkeit der Handwerksbetriebe hat sich leicht verbessert. 16 Prozent der Befragten (14 %) geben höhere Investitionen in den ersten drei Monaten des Jahres an, 43 Prozent (46 %) haben zumindest gleich hohe Investitionen getätigt, 41 Prozent (40 %) der Befragten geben geringere Investitionen an. Das Investitionsvolumen ist im ersten Quartal 2026 gestiegen. Der Anteil investierender Betriebe im Kammerbezirk beträgt aktuell 55 Prozent (57 %) bei einer höheren Investitionssumme pro Betrieb von durchschnittlich 46.000 Euro (28.000 Euro).

Tischlermeister Lukas Mertesacker aus Leutesdorf hat zum 1. Januar 2026 das rund 120 Jahre alte Familienunternehmen übernommen. Die Ausbauhandwerke melden für den aktuellen Konjunkturbericht eine Abkühlung der Geschäftslage. Foto-Quelle: HwK Koblenz (Jörg Diester)
Konjunkturergebnisse nach Gewerkegruppen
Von den Baubetrieben, wie Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker oder Straßenbauer, informieren aktuell 80 Prozent (76 %) über eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage. Bei den Betrieben der Ausbauhandwerke wie Tischler, Maler, Installateure und Heizungsbauer, Elektrotechniker oder Fliesenleger ist der Wert hingegen auf 71 Prozent (78 %) gesunken. Von den Betrieben der Handwerke für den gewerblichen Bedarf wie etwa Feinwerkmechaniker, Kälteanlagenbauer, Metallbauer oder Gebäudereiniger bewerten aktuell nur 64 Prozent (78 %) die Lage mit gut oder befriedigend, von den Betrieben aus dem Kfz-Handwerk geben 89 Prozent (78 %) der Befragten eine gute oder befriedigende Einschätzung ab. Von den befragten Betrieben der personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe wie Friseure, Kosmetiker oder Schuhmacher melden 83 Prozent (80 %) eine gute oder zufriedenstellende Geschäftslage, von den befragten Betrieben der Gesundheitsgewerbe wie Augenoptiker, Zahntechniker, Hörakustiker und Orthopädietechniker sind im Frühjahr 2026 nur noch 67 Prozent (100 %) mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Die Betriebe der Nahrungsmittelhandwerke geben im Frühjahr 2026 die beste Bewertung ab. Von diesen befragten Betrieben wie Bäcker, Konditoren und Fleischer geben 94 Prozent (70 %) eine zufriedenstellende Geschäftslage an.

Die Betriebe der Nahrungsmittelhandwerke geben im Frühjahr 2026 die beste Bewertung ab: 94 Prozent der befragten Bäcker, Konditoren und Fleischer informieren über eine zufriedenstellende Geschäftslage – im Bild Konditormeisterin Amar Karaki (rechts), Leiterin der Backstube im Seehotel Maria Laach. Foto- Quelle: HwK Koblenz (Denise Nuß)
Prognosen im Handwerk bleiben zurückhaltend
Aktuell erwarten 81 Prozent (82 %) der Handwerksbetriebe in den nächsten drei Monaten eine gute und zufriedenstellende Geschäftslage. Die zukünftigen Bewertungen der unterschiedlichen Branchen liegen außer in den Nahrungsmittelhandwerken über den aktuellen Werten. Für den Sommer rechnen über alle Handwerke 74 Prozent (73 %) der befragten Handwerker mit Wachstumsimpulsen, 26 Prozent (27 %) befürchten Umsatzrückgänge. 23 Prozent der befragten Unternehmen (26 %) gehen in den nächsten drei Monaten von einem steigenden Auftragsvolumen, 57 Prozent (57 %) von Konstanz aus. Die zukünftige Investitionsbereitschaft wird von 59 Prozent (61 %) der Betriebe als konstant oder steigend angegeben, 41 Prozent (39 %) der Befragten möchten geringere Investitionen tätigen.
Zahlen und Fakten zur Wirtschaftskraft des Handwerks
Aktuell sind bei der Handwerkskammer Koblenz rund 22.000 Betriebe eingetragen mit etwa 109.500 Beschäftigten. 7.333 Handwerkslehrlinge werden momentan durch das Handwerk im Kammerbezirk Koblenz ausgebildet, 2.821 neue Ausbildungsverhältnisse konnten im Jahr 2025 abgeschlossen werden.
Informationen zu Einzelheiten der Frühjahrsbefragung 2026 bei der Handwerkskammer Koblenz,
Tel. 0261/ 398-161, presse@hwk-koblenz.de, www.hwk-koblenz.de

Grafik: Konjunkturlage im Handwerk im nördlichen Rheinland-Pfalz verhalten
Die Beurteilung der aktuellen Wirtschaftslage im Handwerk im Kammerbezirk Koblenz ist nach wie vor verhalten. Im Frühjahr 2026 geben im nördlichen Rheinland-Pfalz über alle Handwerke 75 Prozent der Befragten ein gutes oder befriedigendes Geschäftsklima an – eine Fortsetzung des seit 2022 anhaltenden Abwärtstrends. Die Prognosen sind etwas optimistischer, aber verhalten. 81 Prozent der Handwerksbetriebe in der Region Mittelrhein gehen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage zum Sommer hin verbessert oder gleichbleibt.
Quelle: HwK Koblenz

