Erkenntnisreiches 4. Netzwerktreffen zu Hilfen für Kinder von psychisch und suchtbelasteten Eltern im Kreis Neuwied

Foto: Thomas Herschbach 
Neustadt/Wied. Rund 75 Fachkräfte aus den Bereichen Kindertagesstätten, Schule, Gesundheitshilfe, Jugendhilfe und Beratungsstellen hatten sich kürzlich zum vierten jährlichen Netzwerktreffen zu den „Hilfen für Kinder von psychisch und suchtbelasteten Eltern (KipsE)“ im Kreis Neuwied im Bürgerhaus Neustadt/Wied eingefunden, um sich über bestehende Angebote, Bedarfe und Perspektiven auszutauschen.
„Als Gesellschaft tragen wir eine große Verantwortung gerade auch gegenüber Kindern aus psychisch angeschlagenen und suchtbelasteten Familien. Weil eine nachhaltige Struktur dafür unabdingbar ist, endet unser entsprechendes Pflichtbewusstsein auch nicht mit dem regulären Auslaufen des KipsE-Modell-Projekts. Vielmehr wird die Koordinationsstelle vor diesem Hintergrund seit 2026 dauerhaft verstetigt“, betonte Landrat Achim Hallerbach in seiner Begrüßung: „Die Personalkosten werden künftig vom Kreis getragen, während Fördergelder weiterhin vollständig in die konkreten Unterstützungsangebote fließen.“

Organisiert und koordiniert wurde die Veranstaltung von Laura Rockenfeller vom Kreisjugendamt Neuwied, die zugleich die zentrale Koordinationsstelle für die Hilfen im Rahmen von KipsE innehat. In ihrem Beitrag stellte sie die vielfältige Angebotslandschaft im Kreis Neuwied vor und gab einen Überblick über bestehende Unterstützungsstrukturen für betroffene Kinder und Familien.

Landrat Achim Hallerbach, KipsE-Koordinatorin Laura Rockenfeller (3. v.r.) und Christina Mehler vom Referat „Sozialer Dienst“ der Kreisverwaltung Neuwied (rechts) freuten sich darüber, dass mit Frau Prof. Dr. Yvonne Grimmer und Frau Prof. Dr. Anne Koopmann (2. und 3. v.l.) vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim sowie Elisabeth Schmutz (2.v.r.) vom Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz kompetente Gäste für die 4. Netzwerkkonferenz gewonnen werden konnten.  Foto: Thomas Herschbach 

Ein weiterer fachlicher Impuls kam vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) Mannheim aus Baden-Württemberg mit der Vorstellung der Initiative „Stark im Sturm“ durch Frau Prof. Dr. Yvonne Grimmer und Frau Prof. Dr. Anne Koopmann. „Der Kerngedanke unserer Initiative besteht darin, dass Hilfe nicht erst spät, sondern direkt dort einsetzen soll, wo Eltern behandelt werden. Dadurch können Kinder frühzeitig Unterstützung bekommen. Zudem fördert `Stark im Sturm´ die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitswesen und Jugendhilfe, um Versorgungslücken zu schließen“, hoben die beiden Professorinnen hervor.
Ein weiterer positiver Aspekt: Das Präventionsprogramm dient als Best-Practice-Beispiel für die Unterstützung von Kindern in belasteten Familiensituationen; im Rahmen des Netzwerktreffens bot „Stark im Sturm“ bereits wertvolle Anregungen für die Weiterentwicklung regionaler Angebote.
Den zweiten Teil der Konferenz nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dann zum intensiven Austausch in moderierten Gesprächsrunden. Unterstützt wurden sie dabei von Elisabeth Schmutz vom Institut für sozialpädagogische Forschung Mainz (ism gGmbH), die das Kreisjugendamt bereits seit einigen Jahren fachkundig zu der Thematik berät. Im Fokus standen dabei insbesondere Angebotslücken sowie konkrete Bedarfe aus der Praxis. Ziel war es, gemeinsam Ansätze zu entwickeln, um die Unterstützung für betroffene Kinder und Familien im Kreis Neuwied weiter zu verbessern.
Aktuellen Schätzungen zufolge wächst etwa jedes vierte Kind in Deutschland mit einem psychisch- oder suchterkrankten Elternteil auf, die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Diese Kinder tragen ein 3–4-fach erhöhtes Risiko, selbst psychisch zu erkranken. Laura Rockenfeller: „Das Netzwerktreffen zeigte erneut, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um frühzeitig Hilfen anzubieten und nachhaltig wirksame Strukturen zu schaffen. Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien brauchen kein Mitleid, sondern Menschen, die hinsehen, zuhören und verlässlich unterstützen!“