Der religionspolitische Sprecher der Linken, Bodo Ramelow, liegt vollkommen richtig, wenn er die zunehmende Zerstörungswut in Gotteshäusern als alarmierendes Zeichen von gesellschaftlicher Verrohung und grosser Respektlosigkeit bezeichnet. Der Grund hierfür liegt meines Erachtens auch in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und der daraus resultierenden Ellenbogengesellschaft hierzulande. Während es auf der einen Seite viele Menschen gibt, die in Gotteshäusern auch einen Hort für spirituelle Einkehr und konkrete Hilfe in seelischen Notlagen sehen, sind andererseits auch viele Aggressionen von Menschen sichtbar, die die Kirchen sozusagen als Vertreter einer ungerechten Wirtschaftsordnung begreifen und ihre Wut an christlichen Symbolen durch deren Zerstörung ausleben wollen.
Das Ganze läuft darauf hinaus, dass wir sozusagen eine Humanisierungsoffensive gerade auch durch die christlichen Kirchen dringend notwendig haben. Die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft und unseres Zusammenlebens muss auf jeden Fall gestoppt und Alternativen zum Recht des Stärkeren müssen gesucht und gefunden werden. Hier liegt sowohl bei den Amtskirchen der beiden Volkskirchen als auch bei den Verantwortlichen anderer Religionen eine grosse Aufgabe, diesen Weg zu beschreiten. Kirchen müssen auch als Kümmerer auftreten und sich als solche verstehen.