In diesem Jahr wird unter anderem die Änderung des Bebauungsplans vorbereitet – Historisches Wohnquartier in Neuwied soll attraktiver werden 
Animation: rheinflügel severin/Club L94 Landschaftsarchitekten/GSG
Es ist ein Generationenprojekt. Eine Mammutaufgabe. Ein historisches Wohnviertel in der südöstlichen Innenstadt von Neuwied, das der Gemeindlichen Siedlungs-Gesellschaft (GSG) gehört, soll zeitgemäß, attraktiv und qualitätsvoll weiterentwickelt werden. In diesem Jahr wird weiter an der geplanten städtebaulichen Neuordnung des Quartiers gearbeitet und die Änderung des Bebauungsplans vorbereitet.
Die Ziele der GSG sind vielfältig: Mehr bezahlbare Wohnungen, neue Gebäude, Sanierung des Hausbestandes, hochwertigere Grünflächen und Freizeitmöglichkeiten, Nutzung regenerativer Energien, Lärmschutz und eine bessere Anbindung für Fußgänger und Radfahrer an die Innenstadt. Das Viertel soll sich aber auch für neue Mieter, etwa für junge Familien, öffnen. Gleichzeitig wird es seine charakteristische Ausprägung behalten. Und es bekommt als Arbeitstitel einen eigenen Namen: Werth-Viertel, in Anlehnung an die gegenüberliegende Rheininsel „Weißenthurmer Werth“. 

Das Werth-Viertel befindet sich unterhalb der Rheinbrücke direkt am Rhein. Es ist ein rund 7,45 Hektar großes Wohnquartier, gelegen zwischen Rheintalweg und Rheinstraße, Kappel- und Germaniastraße. Hier finden sich heute circa 350 Wohnungen in mehr als 60 Gebäuden, die der GSG gehören. Allerdings ist der Gebäudebestand in die Jahre gekommen. Er bedarf dringend einer Weiterentwicklung. Zudem ist das Potenzial, das die großzügigen Frei- und Grünbereiche bieten, derzeit weitgehend ungenutzt. Das will die Gemeindliche Siedlungs-Gesellschaft nun Schritt für Schritt anpacken.
Ein solches Projekt ist nicht von heute auf morgen zu realisieren. Nachdem im Jahr 2022 in einem Wettbewerb mit dem Entwurf des Teams „rheinflügel severin, Düsseldorf, mit Club L94 Landschaftsarchitekten, Köln“ eine planerische Lösung für die zukünftige Entwicklung des Viertels gefunden wurde, hat die GSG Mitte 2024 eine sogenannte Rahmenplanung vorgelegt. Diese gibt die Ziele des Projektes und die dazu notwendigen Veränderungen vor. Und sie dient zugleich als Vorbereitung für die Änderung des bestehenden Bebauungsplans. 

Die Animation vermittelt einen Blick in das Werth-Viertel von Osten her gesehen. Animation: rheinflügel severin/Club L94 Landschaftsarchitekten/GSG

Als nächster Schritt wird in diesem Jahr der Vertrag mit einem spezialisierten Architekturbüro fixiert, das die Planleistungen erbringen soll. Dann können Gutachten in Auftrag gehen, Termine werden konkretisiert, die Beteiligung verschiedener Ämter koordiniert. Erst wenn die angedachten Änderungen und Möglichkeiten im Bebauungsplan festgeschrieben sind und eines der Häuser eine Baugenehmigung hat, liegt Baurecht konkret vor. Dieser Prozess wird Zeit in Anspruch nehmen - im besten Fall 18 bis 24 Monate. Es kann aber auch länger dauern, bevor Bauarbeiter und Handwerker in der „südöstlichen Innenstadt“ von Neuwied starten können.
Und das ist geplant: Die Häuser im Quartier werden größtenteils saniert und erweitert. Regenerative Energiegewinnung durch Photovoltaik und Solarthermie wird ins Auge gefasst. Um das Viertel langfristig umzustrukturieren, stehen auch Neubauten auf dem Plan. Zur Umsetzung des Gesamtkonzeptes werden voraussichtlich Gebäude zurückgebaut werden müssen. „Bei allen geplanten Schritten respektieren wir selbstverständlich den bisherigen Charakter und die prägenden Eigenschaften des Viertels“, erklärt GSG-Geschäftsführer David Meurer. Dank der Neu- und Umbauten sollen je nach Wohnungsgröße am Ende bis zu 450 Wohnungen zur Verfügung stehen.
„Ziel der GSG ist ein lebendiges, vernetztes und sozial ausgewogenes Wohnquartier für Neuwied in attraktiver Lage direkt am Rhein“, beschreibt David Meurer das Vorhaben. Geplant sind mehr Aufenthalts- und Lebensqualität, barrierearme und schwellenfreie Zugänge, ein besserer Wohnungsmix, das Miteinander von Jung und Alt, vielfältige und harmonische Nachbarschaften und nicht zuletzt zukunftsfähige Energieeffizienz-Standards. 
Neben Häusern und Wohnungen will die GSG mehr Grün und Freizeitmöglichkeiten im Werth-Viertel bieten. Vorgesehen ist eine „grüne Quartiersmitte“, verbunden mit einem durchgängigen, internen Fuß- und Radwegekonzept. Wichtiger Teil davon ist eine sogenannte „Spielfuge“, ein neues, bandartiges Spielangebot. Sie gehört zum internen Wegenetz, ist die Verbindung zu bestehenden Spielmöglichkeiten unter der Hochstraße und soll das Werth-Viertel von hier aus besser mit der Innenstadt vernetzen. Darüber hinaus haben die Planer weitere Ideen skizziert, um das Quartier für Bewohner attraktiver zu gestalten. Die Innenhöfe könnten als Privat- und Gemeinschaftsgärten entwickelt werden. Zusätzliche Bäume sorgen für mehr Schatten und dienen als Wasserspeicher – wichtig für den Klimaschutz. Das gilt auch für die Entsiegelung und Begrünung von bisherigen Verkehrsflächen – „autoarme Mobilität“ heißt das Stichwort. Genügend Parkplätze sollen im Viertel selbst und in einer Quartiersgarage zur Verfügung stehen.
Wichtigstes Signal an die Mieter: Von Umbaumaßnahmen Betroffenen werden passende Wohnungen angeboten. Mit jedem Mieter soll vorab ein Einzelgespräch geführt werden. Eine erste Informationsveranstaltung nutzte die GSG nicht nur, um Unsicherheiten zu nehmen: Gleichzeitig stand das Angebot an die Mieter im Fokus, sich mit eigenen Ideen in die Planungen einzubringen. 
Das Werth-Viertel wird die „größte Gesamtmaßnahme im GSG-Bestand der Unternehmensgeschichte“, erläutert GSG-Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Seemann die Bedeutung des Zukunftsprojekts. Geschätzt 15 bis 20 Jahre werden die Baumaßnahmen dauern. Dazu wird das Vorhaben in fünf wirtschaftlich und organisatorisch überschaubare Phasen gegliedert. Abhängig ist die Gesamtlaufzeit vor allem von möglichen staatlichen Förderkulissen, denn ein solches Mammutprogramm kann die GSG nicht allein aus eigenen Mitteln finanzieren.