Bei der Veranstaltung „Fachkraft Inklusiv“ zeigten das Heinrich-Haus Neuwied und die Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald anhand von Praxisbeispielen, wie die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in Betrieben ein echter Erfolg für alle Beteiligten wird

Rund 70 Interessierte verschiedener Unternehmen und Institutionen waren am vergangenen Dienstagabend ins Berufsbildungswerk Neuwied zur Veranstaltung „Fachkraft Inklusiv“ gekommen. Unter der Schirmherrschaft des Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald, Elmar Wagner, teilten Arbeitgeber und Menschen mit Behinderungen ihre Erfahrungen und gaben echte Einblicke in die Praxis. Außerdem bot „Fachkraft Inklusiv“ die Möglichkeit, sich mit erfahrenen Unternehmen und Beschäftigten, sowie mit Expertinnen und Experten der Agentur für Arbeit, des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung sowie den Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) auszutauschen.

Frauke Pischl, Leiterin des Bereiches Berufliche Bildung und Integration im Heinrich-Haus und Mario Dieninghoff, Teamleiter für Berufliche Rehabilitation und Teilhabe bei der Agentur für Arbeit Rhein-Wied-Westerwald, begrüßten gemeinsam die Gäste, bevor Schirmherr Elmar Wagner in seinem Grußwort konkret wurde: „Ein Inklusiver Arbeitsmarkt würde heißen, dass Menschen mit Behinderung die gleichen Chancen haben wie Menschen ohne Behinderung. Bis dahin ist noch ein weiter Weg zu gehen und einige Barrieren zu überwinden – vor allem in den Köpfen“. Die anschließende Gesprächsrunde war dafür ein guter Anfang. Hier besprachen Frauke Pischl und Christiane Kahlert, Leiterin des Integrationsmanagements im Heinrich-Haus, gemeinsam mit verschiedenen Gästen zwei positive Beispiele aus der Praxis:

Markus Dreydoppel arbeitet an zwei Tagen pro Woche bei der Stadtverwaltung Neuwied und in der VHS. Auf der Bühne erzählte er, wie er sich dank der Offenheit aller Beteiligten schnell im neuen Team und in die neuen Aufgaben eingefunden hat. Eingestellt wurde er von Neuwieds Bürgermeisters Peter Jung, dem es wichtig ist, dass inklusive Arbeitsplätze nachhaltig und authentisch sind: „wir haben lange überlegt, wie wir solche Arbeitsplätze gestalten können, mit echten Aufgaben, die jeder andere Kollege auch erledigen würde. Dann haben wir es mit Markus und Sophia einfach ausprobiert und jeder Tag bestätigt uns, dass das die richtige Entscheidung war“, berichtete er bei Fachkraft Inklusiv.

v.l.n.r.: Peter Jung, Mario Dieninghoff, Christiane Kahlert, Markus Dreydoppel, Marita Kirst, Sophia Kirst, Frauke Pischl, Elmar Wagner, Michael Jablonski, Björn Ulbricht.  Foto: Katrin Zieger

Sophia Kirst arbeitet seit fast einem Jahr im Hauswirtschafts-Team der städtischen Kindertagesstätte Rommersdorf mit. Neben Aufgaben wie Snacks zubereiten und Wäsche zusammenlegen, macht ihr die Begegnung mit den Kindern besonders viel Spaß, sagte sie. Das fällt auch ihrer Mutter, Marita Kirst, auf: „Sophia hat ihren Horizont erweitert und ist einfach glücklich.“ Gleichzeitig ist Sophia für das Kita-Team eine echte Bereicherung, übernimmt große Aufgaben und Verantwortung und gehört einfach dazu, wie der stellvertretenden Kita-Leiter Björn Ulbricht bei Fachkraft Inklusiv erzählt.

Dass Sophias und Markus‘ Wege auf den ersten Arbeitsmarkt so reibungslos verlaufen sind, liegt neben der Offenheit aller Beteiligten auch an der Unterstützung des Heinrich-Hauses, betonte Bürgermeister Peter Jung. Als Integrationsbegleiter ist Michael Jablonski direkter Ansprechpartner für Betriebe, begleitet den gesamten Prozess und steht bei Fragen und Herausforderungen immer zur Verfügung – auch im Fall von Sophia und Markus. Bei Fachkraft Inklusiv sagte er, was es aus seiner Sicht für einen inklusiveren Arbeitsmarkt braucht: „Ich wünsche mir mehr Arbeitgeber, die so offen sind, es einfach mal auszuprobieren, denn Sie sehen: Es lohnt sich!“

Dem schloss sich Frauke Pischl in ihrem Schlusswort an: „Inklusion kann ganz einfach beginnen – mit der Bereitschaft einen Menschen kennenzulernen, seine Fähigkeiten zu sehen und gemeinsam herauszufinden, was möglich ist“. Zum Abschluss der Gesprächsrunde lud sie alle Anwesenden ein, bei Snacks und Getränken miteinander in den Austausch zu gehen. Zahlreiche Gäste nutzten die Gelegenheit und blieben noch einige Zeit im Freizeitforum des Berufsbildungswerkes, um ihre eigenen Ideen und Möglichkeiten zu besprechen.

Die Veranstaltung Fachkraft Inklusiv fand bereits zum dritten Mal statt. Alle Infos zum Format gibt es unter www.fachkraft-inklusiv.de. Hier finden Sie auch zwei Videos, die den Arbeitsalltag von Sophia Kirst und Markus Dreydoppel zeigen.