
Zweiwöchiger Intensivkurs parallel zu den Feriensprachkursen
Foto: Felix Banaski
Während an der Marienschule und in der Neuwieder vhs in der Herbstferien für 84 Kinder Sprachkurse für Schülerinnen und Schüler der Grundschule und der Sekundarstufe 1 – unter anderem mit Kindern der Landesblindenschule – durchgeführt wurden, organisierte die Volkshochschule in diesem Jahr erstmalig einen zeitlich darauf abgestimmten Elternsprachkurs. Am zweiwöchigen Intensivkurs nahmen insgesamt 22 Eltern teil – zehn Tage lang wurden von 9 bis 11.15 Uhr wesentliche Themen mit klarem Lebensweltbezug behandelt. Da die Sprachkurse für Eltern und Schulkinder parallel durchgeführt wurden, konnten die Eltern ihre Kinder selbst zum Feriensprachkurs bringen und sie hinterher wieder abholen ohne sich während der eigenen Lernzeit Gedanken um ihre Betreuung machen zu müssen.
Warum Deutschkurse für Eltern?
Sprache ist ein wichtiger Schlüssel für Teilhabe und Bildung. Auch für Eltern spielt Sprachkompetenz eine wichtige Rolle, denn: Wer sich im Alltag sicher verständigen kann, kann die eigenen Kinder besser begleiten, Ansprechpartner in Schule und Kita erreichen und Verantwortung für die Familie übernehmen. Genau hier setzte der neue Elternsprachkurs der Volkshochschule Neuwied „Die Brücke“ an. Der zweiwöchige Intensivkurs richtete sich explizit an Eltern und vermittelte Deutschkenntnisse praxisnah und mit engem Bezug zum Familienalltag. Finanziert wurde das Angebot aus Mitteln des Integrationskonzepts der Stadt Neuwied.„Wir wollen Familien nicht nur unterstützen, sondern Eltern ganz bewusst befähigen, ihren Alltag und die Bildungswege ihrer Kinder zunehmend selbstständig zu gestalten“, betont Bürgermeister Peter Jung. „Dazu gehört ganz wesentlich die Sprache. Wer mit Kita, Schule, Ärzten, Behörden oder anderen Einrichtungen sicher kommunizieren kann, gewinnt Selbstständigkeit und kann die eigenen Kinder besser begleiten.“

Neben den Feriensprachkursen für Schülerinnen und Schüler hat die vhs Neuwied auch erstmalig ein parallel laufendes Angebot für ihre Eltern organisiert. Dieses konzentrierte sich auf die Bewältigung von Situationen des täglichen Lebens. Foto: Felix Banaski
Intensivsprachkurs mit hohem Alltagsbezug
Inhaltlich orientierte sich der Kurs unmittelbar an Situationen, die Familien im täglichen Leben begegnen. Auf dem Programm standen unter anderem die Themenfelder Familie und Alltag, Kita und Schule, Gesundheit und Arztbesuche sowie Einkaufen und Haushalt. In der zweiten Kurswoche ging es dann verstärkt um die selbstständige Bewältigung des Alltags. Hierzu gehörten Telefonate und Terminvereinbarungen, Briefe, E-Mails und Formulare sowie der Kontakt zu Behörden und wichtigen Einrichtungen. Auch die Themen Wohnen und Nachbarschaft wurden aufgegriffen. Eine abschließende Praxiseinheit diente der Wiederholung und Anwendung des Gelernten.
Durch das große Engagement der vhs konnte der neue Kurs kurzfristig bereits in den Herbstferien angeboten werden und zeigte direkt erste Erfolge. Alle Teilnehmenden erlebten das Angebot als sehr gewinnbringend und signalisierten großes Interesse an weiteren, auf dem Gelernten aufbauenden, Kursen. Die vhs erarbeitet deshalb aktuell bereits ein Konzept, um perspektivisch weitere Sprachförderungsangebote für Eltern durchführen zu können. Zum 19. Oktober startete bereits ein weiterer Elternkurs an der Heinrich-Heine-Realschule plus, der zwei Mal wöchentlich – immer montags und dienstags – durchgeführt wird. Auch wenn für diesen bereits zahlreiche Anmeldungen eingegangen sind, ist eine Teilnahme noch möglich. Bei Interesse steht Yuliya Meißner per E-Mail an anmeldung@vhs-neuwied.de für Rückfragen aller Art zur Verfügung.
Stadt Neuwied verfolgt in der Bildung einen familienorientierten Ansatz
Das neue Sprachförderangebot für Eltern fügt sich nahtlos in die familienorientierte Arbeit der Stadt Neuwied und das Konzept der Familiengrundschulzentren ein. „Familienorientierung bedeutet für uns, nicht nur auf die Kinder zu schauen, sondern die Eltern als wichtige Partner einzubeziehen und sie in ihrer Rolle zu stärken“, führt Jung aus. „Wenn wir Eltern Handlungssicherheit geben, profitieren davon auch die Kinder.“
In enger Zusammenarbeit von Volkshochschule, Sozialamt und Schulen will die Stadt Neuwied weitere Angebot mit derselben Zielrichtung entwickeln und verstetigen. Dabei verfolgt sie das Ziel, Bildungs- und Teilhabechancen frühzeitig zu verbessern und Familien möglichst niederschwellig zu erreichen. Die Verbindung von Sprachförderung für Kinder und Eltern ist hierbei ein wichtiger Baustein: Kinder lernen Deutsch – und ihre Eltern erweitern gleichzeitig ihre Kompetenzen, den Familienalltag erfolgreich zu meistern und die Bildungswege ihrer Kinder aktiv mitzugestalten.

