Tauschladen von ReThink belebt die Engerser Straße

Foto: Felix Banaski
Wer den Tauschladen von „ReThink e.V.“ in der Engerser Straße 5 am Rande der Neuwieder Fußgängerzone betritt, der erblickt neben einer Vielzahl an gebrauchten aber gut gepflegten und deshalb noch absolut brauchbaren Alltagsgegenständen mit Sicherheit auch freundliche und hilfsbereite Gesichter. Seit sechs Jahren engagiert sich eine Gruppe Ehrenamtlicher um Tina Monzen, Marion Pörsch und Bettina Grollius im Tauschladen, der einst als kleines Tauschregal an der Heilig-Kreuz-Kirche begann. Über die Jahre haben sich sowohl das Team als auch die Mengen der bei ihnen eingehenden Spenden stetig vergrößert. Deshalb mussten auch die Laden- und Lagerflächen mitwachsen, was sich nicht immer als einfach erwies. In der Engerser Straße hat der Tauschladen nun ein neues Zuhause mitten in der Innenstadt gefunden. Oberbürgermeister Jan Einig und City-Managerin Michaela Ullrich haben den neuen Räumlichkeiten kürzlich einen Besuch abgestattet und dabei den offenen Austausch mit den Ehrenamtlichen gesucht.

Wie funktioniert der Tauschladen?

Das Prinzip „Tauschladen“ funktioniert sehr einfach und niederschwellig. Während der Öffnungszeiten können Interessierte vorbeikommen, im Sortiment stöbern und – gerne gegen eine kleine Spende – auch etwas mitnehmen. Gleichzeitig werden während der Öffnungszeiten auch Sachspenden entgegengenommen. Hierfür kann werktags bis 11 Uhr mit dem Auto direkt vor den Laden vorgefahren werden – solange ist die Fußgängerzone nämlich für den Lieferverkehr freigegeben. Die Zufahrt erfolgt ganz unkompliziert über die Schlossstraße, in unmittelbarer Nähe zum Laden gibt es aber auch einige reguläre Parkplätze. Von Kleidung, über Hausrat bis hin zu Dekoartikeln nimmt der Tauschladen eigentlich alles Mögliche an Spenden entgegen. Es gibt aber auch Ausnahmen: „Wir werden oft nach Möbeln gefragt, aber dafür fehlt uns schlicht und ergreifend der Lagerraum“, erklärt Tina Monzen. Auch Musik- und Videokassetten, Kindersitze, Fahrradhelme, Pelze oder Deckenlampen nimmt der Tauschladen nicht entgegen.

In der Engerser Straße 5 hat der Tauschladen von ReThink ein neues Zuhause gefunden. Oberbürgermeister Jan Einig (2.v.l.) und City-Managerin Michaela Ullrich (l.) statteten den neuen Räumlichkeiten einen Besuch ab und tauschten sich mit den Ehrenamtlichen aus.   Foto: Felix Banaski

Gemeinsam im Einsatz für ein nachhaltiges Miteinander

In den neuen eigenen vier Wänden hat sich das Tauschladen-Team schon längst eingelebt und fühlt sich hier gut aufgehoben: „Mit 42 Quadratmetern Laden- und Lagerfläche und einer kleinen Toilette haben wir hier alles, was wir benötigen“, erklärt Monzen. „Der Laden hat vor allem eine einladende Atmosphäre und ist schön übersichtlich.“ So haben die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer immer einen guten Überblick und können ganz unkompliziert mit den Kunden in Kontakt treten. „Das ist uns besonders wichtig, denn bei unserem Konzept geht es nicht nur um nachhaltigen Konsum und die vielen verschiedenen Alltagsgegenstände, die man hier bei uns finden und mitnehmen kann, sondern auch um das Miteinander“, erklärt Marion Pörsch. Das gilt im Kundenkontakt aber auch im Umgang der Ehrenamtlichen untereinander: „Wir sind hier alle Freunde“, freut sich Pörsch über die harmonische Stimmung im inzwischen 20-köpfigen Team. Dabei ist die Zusammensetzung der Gruppe sehr divers, denn einige ehemalige Kundinnen und Kunden – viele von ihnen aus der Ukraine – haben die Seiten gewechselt und sind mittlerweile selbst ehrenamtlich im Tauschladen aktiv.

Oberbürgermeister Jan Einig sieht im Einzug des Tauschladens in die Engerser Straße auch eine Bereicherung für einen ruhigeren Abschnitt der Neuwieder Fußgängerzone – etwas abseits vom Lauf in der Mittelstraße und auf dem Luisenplatz: „Durch den Tauschladen finden mehr Menschen ihren Weg hierher, das ist eine echte Belebung.“ Vor dem Laden, in dessen Schaufenster in großen Lettern „Tauschladen“ zu lesen ist, steht ein Stuhl. „Hier sitzen wir gerne und werden dann oft von Passantinnen und Passanten angesprochen, was es mit unserem Geschäft auf sich hat“, schildert Bettina Grollius. So kommen die Ehrenamtlichen mit der Nachbarschaft in Kontakt und bringen immer mehr Menschen das nachhaltige Konzept von „ReThink“ näher. Denn der Tauschladen ist nur eines von vielen Projekten des gemeinnützigen Vereins: Dieser organisiert und betreibt unter anderem Repair Cafés, einen Klimagarten, einen Büchertauschschrank sowie Hof- und Gartenflohmärkte. Hinter all dem steht das Ziel, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Alltag zu fördern und gemeinschaftlich eine ressourcenschonendere Art von Konsum vorzuleben.

Auch ehrenamtliche Arbeit muss finanziert werden

Der Tauschladen ist montags, dienstags und samstags von 10 bis 16 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 sowie von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 14 bis 16 Uhr sowie freitags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Ob der Laden in der Engerser Straße nun eine dauerhafte Heimat gefunden hat, ist indes nicht sicher: „Da wir anders als herkömmliche Geschäfte keine Umsätze generieren, sind wir auf finanzielle Förderungen angewiesen“, erklärt Tina Monzen. „Da kürzlich Förderungen ausgelaufen sind, ist es aktuell unklar, wie es mittelfristig mit dem Tauschladen und den Geschäftsräumen von „ReThink e.V.“ in Heimbach-Weis weitergeht.“ Deshalb freut sich der Verein neben Sachspenden für den Tauschladen auch über finanzielle Unterstützung. Informationen über ReThink und Spendenmöglichkeiten sind online unter https://www.rethink-ev.de/ zu finden. City-Managerin Ullrich und Oberbürgermeister Einig sicherten dem Team, wo immer möglich, ihre Beratung und Unterstützung zu – sei es bei Anträgen, der Suche nach neuen Fördermitteln oder geeigneter Räumlichkeiten. „Der Tauschladen hat sich in den letzten Jahren in der Neuwieder Innenstadt etabliert und ist für viele Anwohnerinnen und Anwohner ein fester Anlaufpunkt geworden“, macht Ullrich deutlich. „Deshalb ist es uns ein Anliegen, dass dieses Angebot auch in Zukunft erhalten bleibt.“