
Jetzt werden die Faultürme saniert
Schrittweise Stilllegung: Start ab dem 9. September 31.08.26
Neuwied. Die Servicebetriebe Neuwied nehmen einen der Faultürme auf der Kläranlage 1 schrittweise außer Betrieb. Die Maßnahme ist Teil der energetischen Optimierung der Anlage, die bis 2027 mehr als die Hälfte ihres Energiebedarfs selbst decken soll. Die Stilllegung erfolgt in mehreren Stufen.
Die Kommunale Abwasser-Richtlinie (KARL) der Europäischen Union schreibt vor, dass Kläranlagen bis 2045 vollständig energieautark und klimaneutral arbeiten müssen. Der Stufenplan sieht bis Ende 2030 einen Anteil von 20 Prozent erneuerbarer Energien vor, bis 2035 sind es 40 Prozent, bis 2040 dann 70 Prozent.
„Die Marke von 2030 haben wir auf der Kläranlage 1 bereits erreicht", erklärt Zacharias Grätz, Projektleiter für die energetische Optimierung. Die Anlage benötigt drei Millionen Kilowattstunden jährlich. 180.000 Kilowattstunden produziert die Photovoltaikanlage über dem Klärbecken, weitere 600.000 Kilowattstunden stammen aus Klärgas. Das entspricht 26 Prozent des Gesamtbedarfs. Nach Abschluss der Faulturmsanierung in drei Jahren werden es 60 Prozent sein.

Rund drei Jahre sind für die Sanierung der beiden Faultürme im Klärwerk 1 angesetzt. Am Ende sollen statt der bisherigen 600.000 Kilowattstunden 1,6 Millionen Kilowattstunden Strom aus Klärgas produziert werden. Foto: Gerd Neuwirth
Die Kläranlage verfügt über zwei Faultürme, in denen organisches Material unter Ausschluss von Sauerstoff abgebaut wird. Dabei entsteht Methan, das als Energieträger genutzt wird. Die Stilllegung erfolgt schrittweise, während Faulturm 1 weiterhin in Betrieb bleibt.
Die Verbindung zwischen beiden Türmen wurde gekappt, Faulturm 2 wird nun kontrolliert heruntergefahren.
„Ein Faulturm ist das Herzstück der Schlammbehandlung", betont Grätz. „Methan ist ein wertvoller Energieträger, aber zugleich ein klimaschädliches Gas, das nicht unkontrolliert in die Atmosphäre gelangen darf."
Am 9. und 10. September wird der Gasdom des Faulturms geöffnet. Der mit 42 Schrauben gesicherte Deckel wird mittels Baukran abgehoben. Im Gasdom befinden sich 14 Kubikmeter Methan, die dosiert entweichen. Der Gasaustritt wurde bei der zuständigen Behörde angemeldet und genehmigt.
„Wir öffnen nicht alle Rohrleitungen gleichzeitig", erläutert Grätz. „Einzelne Leitungen werden nacheinander geöffnet, sodass das Gas über mehrere Wochen dosiert entweichen kann. Durch das schrittweise Vorgehen reduzieren wir die Emissionen auf das technisch notwendige Minimum."
Ab dem 14. September beginnt die Entleerung des Faulturms. Der Turm fasst 1400 Kubikmeter Schlamm. Die Entleerung wird voraussichtlich zwei Wochen dauern. Ein Bewetterungsgerät verwirbelt, verdünnt und leitet geruchsintensive Luft nach oben ab. Geruchsbelästigungen dürften allenfalls bei ungünstiger Wetterlage wahrnehmbar sein.
Sobald der Faulturm entleert und gereinigt ist, wird Anfang Oktober ein Gerüst im inneren des Turms aufgebaut. Dann beginnen die eigentlichen Instandsetzungsarbeiten. Nach Abschluss der Sanierung wird der erneuerte Faulturm wieder in den Prozess integriert. Das in den Faultürmen entstehende Methan soll künftig in einem neuen, hocheffizienten Blockheizkraftwerk genutzt werden.
