„Flynn“ bekommt ein neues Zuhause 

Neuwied, 25. August - Der Zoo Neuwied beteiligt sich aktiv an der Zucht und am Schutz bedrohter Tierarten. Eine davon ist der Rote Panda, auch Kleiner Panda oder Katzenbär genannt. Da sein Bestand im natürlichen Lebensraum stark zurückgegangen ist, gilt der Rote Panda laut Weltnaturschutzunion IUCN als stark gefährdet und Maßnahmen zum Erhalt dieser Tierart sind besonders wichtig. Eine der größten Gefahren für den Roten Panda ist der Verlust seines natürlichen Lebensraumes. Durch den Bau von Straßen, die Abholzung von Wäldern und den steigenden Bedarf an Feuerholz werden seine Lebensräume zerstört oder zunehmend zerschnitten. Auch Wilderei stellt in einigen Regionen weiterhin ein Problem dar. In Teilen Indiens beispielsweise trägt außerdem das zunehmende Tourismusaufkommen zur Veränderung des Lebensraumes bei.

Flynn“ in der Transportkiste, auf seinem Weg nach Schottland. Foto: Lars Petereit

Der Zoo Neuwied ist Mitglied der EAZA (European Association of Zoos and Aquaria). Durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Zoos und die Führung von Zuchtbüchern kann genau nachvollzogen werden, welche Tiere miteinander verwandt sind. So lassen sich geeignete Zuchtpaare auswählen und die genetische Vielfalt der Population bleibt erhalten. Durch diese koordinierten Zuchtprogramme konnte der Bestand des Roten Pandas in menschlicher Obhut über die Jahre deutlich vergrößert werden. Gleichzeitig setzt sich das „Red Panda Network“, welches unter anderem durch Zoos finanziert wird, für den Schutz des Lebensraumes der Roten Pandas ein.
 
Ein Beispiel für ein erfolgreiches internationales Zuchtprogramm ist das im Zoo Neuwied geborene Rote-Panda-Männchen „Flynn“. Vor Kurzem hat „Flynn“ den Zoo Neuwied verlassen und ist in den Highland Wildlife Park der Royal Zoological Society of Scotland (RZSS) umgezogen. Dort soll er künftig im Rahmen des europäischen Zuchtprogramms für Nachwuchs sorgen und damit zum Erhalt seiner Art beitragen.
 
 

Die Reise mit dem Transportunternehmen Animal Logistics. Foto: David Otte 

Ein besonderer Tiertransport
 Dass Tiere aufgrund von Zuchtprogrammen zwischen Zoos umziehen, ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Bei „Flynn“ gab es jedoch einige Besonderheiten: Er wurde per Flugzeug nach Schottland transportiert. Der Transport wurde außerdem vom Hessischen Rundfunk begleitet und für die Serie „Mittendrin – Flughafen Frankfurt“ gefilmt. Dabei wird gezeigt, wie ein solcher Tiertransport abläuft und welche besonderen Herausforderungen dabei zu bewältigen sind. Eine Besonderheit war, dass das Transportunternehmen eine eigene Kiste mitgebracht hatte, die speziell für den Transport im Flugzeug gebaut war. Die Dokumentation soll voraussichtlich Ende des Jahres zu sehen sein.
 
Der Rote Panda – ein faszinierender Bewohner der Bergwälder
 Der Rote Panda ist hervorragend an kühle und feuchte Lebensräume angepasst und lebt vor allem in Mischwäldern der Hügel- und subalpinen Regionen. Während des Tages ruhen und schlafen sie häufig in der Natur auf Bäumen, beispielsweise in Astgabeln oder Baumhöhlen. Im Zoo Neuwied mögen sie daher die Klettermöglichkeiten, die die Tierpfleger für sie anfertigen, besonders gerne. Zusätzlich sind sie zu ihren Fütterungszeiten sehr aktiv. Rote Pandas leben meist als Einzeltiere oder in kleinen Mutterfamilien. Aktuell lebt das Rote Panda Weibchen „Laya“ alleine im Gehege, sie soll vorrausichtlich im Herbst einen neuen Partner bekommen.
 
Die Nahrung des Roten Pandas besteht zu etwa 80 bis 90 Prozent aus pflanzlicher Kost. „Eigentlich sind Rote Pandas Allesfresser, dennoch fresse sie am liebsten Bambus“, schmunzelt Tierpflegerin Julia Völkel. „Von uns bekommen sie deswegen Bambusbällchen, die mit tierischen Eiweißen versetzt sind und Bambuspellets. Zusätzlich bekommen sie den Bambus aber auch einfach ins Gehege gestellt, wo sie sich dann selber dran bedienen können. Und ein ganz klein wenig Gemüse.“
 
Zoos als Beitrag zum Artenschutz
 Zoos können durch erfolgreiche Zuchtprogramme, internationale Zusammenarbeit und Bildungsarbeit einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Roten Pandas leisten. Der Umzug von Flynn nach Schottland zeigt beispielhaft, wie Zoos über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, um die genetische Vielfalt zu erhalten und die Zukunft bedrohter Tierarten zu sichern.
 
Wer die Roten Pandas selbst beobachten möchte, hat die besten Chancen montags und mittwochs um 16 Uhr während der kommentierten Fütterung oder dem medizinischen Training."