Liebliche Barockmusik bot das Ensemble „Musici di Sayn“ in der Abteikirche Sayn

Fotos: Eberhard Thomas Müller
„Das Petit Four unter den Kuchen“, lobte eine begeisterte Zuhörerin das lieblich dargebotene Konzert des Barock-Ensembles „Musici di Sayn“. Musik vom Feinsten, bekannte und eher unbekannte Komponisten, präsentierten die Musici um Johannes Geffert am Cembalo: die junge Sopranistin Lucia Jakob, Ulrike Friedrich, Traversflöte, Louisa Kaltenbach, Violoncello, sowie Rafael Roth, Viola d’Amore. Rafael Roth aus Bonn ist ein Meister auf dem 14-saitigen Instrument. Die Resonanzsaiten sind unter die Spielsaiten gespannt, schwingen auf diese Weise mit und erzeugen den lieblichen Klang einer Geige und einer Bratsche. Ein faszinierendes, schwer zu spielendes Instrument. Jedoch musste sich auch Roth der Meinung Leopold Mozarts anschließen, dass das Instrument leider oft verstimmt ist. So mochte es die alte Dame auch an diesem Nachmittag nicht, von der warmen Frühlingssonne in die Kühle der Abteikirche gebracht zu werden. Rafael Roth sprach mit ihr und entschuldigte sich beim Publikum: „Zum Umstimmen muss ich mich immer wieder zurückziehen.“ Doch diese Zeit schenkte den Zuhörern die Gelegenheit, den bereichernden Ausführungen von Johannes Geffert zu folgen, der die Moderation im weiteren Verlauf auch den Ensemblemitgliedern übertrug.

Fotos: Eberhard Thomas Müller

Eröffnet wurde das Programm mit der Triosonate in D-Dur von Georg Philipp Telemann. Und da die Viola d’Amore als Diva des Orchesters gleich zwei Instrumente in sich trägt, konnte das Ensemble in kleiner Besetzung auftreten, Viola, Flöte, Cello und Cembalo.

Die Kantate des relativ unbekannten italienischen Komponisten Attillo Ariosti (1666 – 1729) galt der Schönheit der Viola d’Amore, die dessen Lieblingsinstrument war, sodass Ariosti international mit ihr auftrat, u.a. als Pausen-Musik bei Händels großen Opernaufführungen in London. Ausdrucksstark war die klare, natürlich klingende, professionelle Stimme der jungen Sopranistin Lucia Jakob, die mit Sicherheit noch öfter zu hören sein wird.

Dann unterhielten sich Violoncello, Louisa Kaltenbach, und Cembalo, Johannes Geffert, in Guiseppe Clemente dall’Abacos (1710 – 1805) Sonate in d-moll ABV 35. Beeindruckend, als Louisa Kaltenbach ihr großes Instrument ergriff und wie eine Gitarre spielte.

Danach konnten sich die Zuhörer ein zweites Mal auf Lucia Jakob und die silbern klingende Viola d’Amore freuen, die gemeinsam mit Cello und Cembalo die Arie aus der Kantate BWV 199 „Ich, dein betrübtes Kind“ von Johann Sebastian Bach darboten. Lieblich auch die Arie „Sweet bird“ von Georg Friedrich Händel, als Ulrike Friedrich auf ihrer Traversflöte mit Nachtigallengesang die zarte Stimme von Lucia Jakob umspielte. Mit Francesco Molino (1775 – 1847) und der Romanze und dem Rondo aus dem Trio op. 45, so verriet Johannes Geffert, kredenzte das Instrumentalensemble aus Flöte, Viola, Cello und Cembalo zum Abschluss eine „absolute Rarität“. In dieser Darbietung übernahm das Cembalo den Klang der Gitarre, während die tiefen Töne des Violoncellos den Kirchenraum erfüllten. Reich beschenkt dankte das Publikum mit langem Applaus.

Bereits am 27. Mai 2026 um 19:00 Uhr können sich Musikliebhaber auf einen weiteren musikalischen Ohrenschmaus in der Schlosskapelle freuen. Dann führt Nadzeya Karakulka mit den beseelenden Klängen eines Cymbaloms durch Barock, Romantik und Folklore. Interessierte können sich zu diesem Abend beim Föderkreis Abtei Sayn anmelden:

02622 – 902 412

Schloss@sayn.de

Am Sonntag, 27. September 2026, um 17:00 Uhr ist das Barock-Ensemble in klassischer Besetzung plus Glasharmonika mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Christian Bach zu hören. Karten gibt es an der Konzertkasse.