Buchpaten aus Koblenz unterstützen den Erhalt einer historischen Bibel mit regionalem Bezug

Foto: LBZ/Sandra Reiss
Koblenz. Historische Schriften weisen im Laufe der Zeit oft Beschädigungen auf. Diese zu beseitigen ist nicht nur zeit- sondern auch kostenintensiv. Um die Restaurierung besonders wertvoller Schriften zu ermöglichen, hat das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz (LBZ) jetzt ein Projekt für Buchpatenschaften initiiert. Als erste Buchpaten unterstützte das Ehepaar Karla und Peter Többicke aus Koblenz den Erhalt einer lateinischen Bibelausgabe aus dem 16. Jahrhundert. Die Bibel stammt zuletzt aus der Bibliothek der Stiftung Staatliches Görres-Gymnasium in Koblenz, deren Bestände heute vom Landesbibliothekszentrum aufbewahrt und erhalten werden.

Der Schwerpunkt der Restaurierungsarbeiten lag auf dem Einband, dessen Rückenleder stark in Mitleidenschaft gezogen war. Ein früherer Holzwurmbefall führte zu Beschädigungen und Fehlstellen an den Holzdeckeln. Von den ursprünglich zwei Schließenpaaren waren nur noch die Ösenteile vorhanden.

Freuen sich gemeinsam über die restaurierte Bibel: (v.l.n.r.) Restauratorin Petra Brickmann (LBZ), Dr. Armin Schlechter, Leiter der Abteilung Sammlungen im LBZ sowie die Buchpaten Dr. Karla Többicke und Dr. Peter Többicke.  Foto: LBZ/Sandra Reiss

Im Rahmen der Restaurierung wurde das alte Bezugsmaterial gelöst und ein neuer Rücken gefertigt, auf den der alte Rücken wieder aufgebracht wurde. Die Fehlstellen im Holzdeckel wurden ergänzt. Der fertig restaurierte Band hat eine Schutzkassette erhalten und wird nun unter den erforderlichen klimatischen Bedingungen in einem speziellen Magazin aufbewahrt.

Die vom LBZ restaurierte Bibelausgabe hat eine interessante Geschichte mit regionalem Bezug. Sie stammt aus der Werkstatt von Charlotte Guillard (um 1485-1557) in Paris. Guillard war die erste Buchdruckerin, die über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren eine eigene Werkstatt führte. Die nächste Spur führt nach Köln: Der Einband aus dunklem Kalbsleder weist auf die dortige Einbandwerkstatt von Batius Koch (um 1543-1585) hin.
Um 1630 befand sich das Buch im Besitz des Andernacher Schöffen Jeremias Pergener, Folgebesitzer waren die Karmeliter in Beilstein an der Mosel (Kreis Cochem-Zell). Nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1803 kam ein Teil der Bibliothek an den Vorgänger der Bibliothek der Stiftung Staatliches Görres-Gymnasium Koblenz, darunter auch die jetzt restaurierte Bibel.

Das Landesbibliothekszentrum plant, das Buchpatenschafts-Programm weiter fortzuführen, damit weitere Werke restauriert und für die Nachwelt erhalten werden können.

Blick in die restaurierte Bibel aus dem 16. Jahrhundert: Biblia sacra. Paris: Guillard, 1558.  Foto: LBZ/Sandra Reiss