Hallo Ihr Lieben,

heute habe ich Euch mal etwas mitgebracht, das Ihr ein wenig weiter weg von Neuwied findet, nämlich den Säubrennerbrunnen in Wittlich vor einer wunderbaren Hausfassade.

„Säubrenner“ – das Wort muss man sich erst mal auf der Zunge zergehen lassen – und als Uneingeweihter hat man trotzdem erst mal keine Ahnung, was es bedeutet. Hilft der Brunnen selbst bei der Wahrheitsfindung? Wenn man genau hinsieht, entdeckt man auf der Bronze den Schriftzug: „Den Bürgern 1291“. Das Geburtsjahr der berühmten Sage ist das allerdings nicht – aber wie immer leben wir ja im Zeitalter von Wikipedia, Google und Co. und können das Rätsel lösen:

Dieser vom Künstlerehepaar Silvio dell'Antonio und Waltraud dell'Antonio-Kunsmann gestaltete Brunnen feiert mit der Jahreszahl 1291 den Moment, in dem Wittlich offiziell die Stadtrechte verliehen bekam. Die berühmte Sage, die auf dem Brunnen dargestellt ist, passierte allerdings erst rund ein Jahrhundert später, im Jahr 1397 – und sie zeigt, dass kreative Notlösungen nicht immer die beste Wahl sind:

Wittlich wurde damals bös belagert, blieb aber lange standhaft. Nun trug es sich jedoch zu, dass ein Torwächter am Abend beim Schließen des Stadtores den eisernen Feststellbolzen einfach nicht finden konnte. Was machte er in seiner Not? Er nahm kurzerhand eine dicke Mohrrübe, um das Tor vorschriftsmäßig zu verriegeln.

Dummerweise entkam in dieser Nacht eine Sau aus ihrem Stall. Und wie Schweine nun mal so sind, entdeckte sie die Rübe im Riegelloch und fraß sie seelenruhig auf. Das Tor sprang auf, der Feind drang in die Stadt ein, plünderte und brandschatzte alles.

Die Wittlicher waren natürlich „not amused“. Als der Feind wieder abgezogen war, trieben sie in ihrem unbändigen Zorn sämtliche übrig gebliebenen Schweine auf dem Marktplatz zusammen und verbrannten sie tatsächlich bei lebendigem Leibe! Doch so grausam die Strafe aus heutiger Sicht war: Der Duft, der dabei aufstieg, war wohl so verlockend, dass man sich den ungeplanten Riesenbraten hinterher trotzdem gut schmecken ließ.

Aus dieser wilden Geschichte haben die Wittlicher übrigens eine großartige Tradition gemacht und den einstigen Schimpfnamen „Säubrenner“ in pure Lebensfreude verwandelt: Jedes Jahr im August feiern sie dort ihre berühmte Säubrennerkirmes, bei der heute ganz friedlich tonnenweise Braten im Röstofen landet. (Mehr zur Geschichte findet Ihr hier: https://www.wittlich.de/de/leben-in-wittlich/kultur/veranstaltungen/saeubrennerkirmes/geschichte-tradition/)

Und was hat das Ganze nun mit uns in Neuwied zu tun?

Abgesehen davon, dass Notlösungen selten halten, was sie versprechen, und Gefräßigkeit sich nicht auszahlt?

Beim Thema Stadtrechte und Privilegien schlagen wir ganz automatisch die Brücke nach Hause. Denn während Wittlich seine Rechte schon 1291 bekam, steht bei uns in Neuwied nächstes Jahr ein ganz großes Jubiläum an! 2027 feiern wir stolze 365 Jahre Neuwieder Freiheitsrechte, die uns Graf Friedrich III. im Jahr 1662 mit dem Stadtrechtprivileg verlieh. Ein toller Zufall bei den Zahlen: 365 Jahre feiern wir dann – hoffentlich an 365 Tagen im Zeichen von Toleranz und Freiheit!

Schweine mussten bei uns zum Glück nicht dran glauben, aber spannend sind solche alten Geschichten allemal. Aus Neuwied kenne ich allerdings abseits unserer großen Historie kaum die ganz alten Sagen, außer der berühmten Siebenschläfersage, zu der Conrad Lunar ja auch einen tollen Comic herausgegeben hat.

Wie sieht es bei Euch aus? Kennt Ihr noch alte Sagen, Mythen oder kuriose Geschichten aus Neuwied und der Umgebung, die man bis zum großen Jubiläum nächstes Jahr unbedingt mal wieder erzählen sollte? 

Euch allen einen wunderschönen Wochenteiler! 



#lebendigesneuwied #neuwied #wittlich #säubrenner #säubrennerbrunnen #sagenundmythen #heimatgeschichte #stadtrechte #freigewähltesmotto #wochenteiler #fotografie #geschichteerleben #ausflugstipp #conradlunar