Offizieller Grund für die Forderung des BSW-Bundesvorstands, dass die Thüringer BSW-Landtagsfraktion aus der "Brombeer-Koalition" aussteigt, ist also die Aberkennung des Doktortitels von Ministerpräsident Mario Voigt durch die Technische Universität Chemnitz. 

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1919 in Deutschland der Adel abgeschafft. Durch die Regenbogenpresse wird aber immer noch über sogenannte Adelige berichtet. Fakt ist, den Adel gibt es eigentlich nicht, aber tatsächlich im Denken mancher Menschen nur dadurch, dass sie daran glauben. Der akademische Grad des Doktors hat im universitären Bereich auf jeden Fall seine Bedeutung und Berechtigung, aber außerhalb ist er inzwischen zumeist eher irrelevant. Wenn jemand im Alltag auf diesen Titel Wert legt, ist es sein Pläsier, und er kann damit selbstverständlich versuchen, die bunte Blätter Lesenden zu beeindrucken. 

Zweifel an der Berechtigung des Doktortitels betreffen vorzugsweise Mitglieder der CDU und FDP. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass in diesem Umfeld der Titelbedarf höher ist, während der sozialdemokratische Stallgeruch zur Folge hat, dass das Erschleichen eines Doktortitels für SPDler weniger relevant ist, aber dennoch vorkommen kam, wie es der Fall der ehemaligen SPD-Bundesfamilienministerin Franziska Giffey zeigte. 

Am erfrischendsten in Bezug auf Titel oder Orden handelt aber die Linke, deren Bundestagsfraktion als einzige es ablehnt, Bundestagsabgeordnete aus ihren Reihen für das Bundesverdienstkreuz zu benennen, weil es Quatsch sei. Insofern ist es gut, dass die BSWler gegangen sind. Auf die Aberkennung eines Doktortitels so bizarr zu reagieren, wie es der BSW-Bundesvorstand jetzt kundgetan hat, würden Politiker der Linken und wahrscheinlich auch der SPD niemals tun. Insofern bekräftige ich meine Anregung an das Neuwieder BSW, als lokale freie Wählergruppe weiterzumachen.