Wenn beispielsweise Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner behauptet, die Äußerungen Luigi Pantisanos über die CDU stünden symptomatisch für eine Linkspartei, die sich seit Jahren zunehmend radikalisiere und sich immer weiter von einem demokratischen Diskurs entferne, könnte man über diesen Beitrag ernsthaft nachdenken, wäre Pantisano mit 70 oder gar 80 Prozent der Stimmen zum neuen Linkenchef gewählt worden. Tatsächlich erzielte er sogar ohne Gegenkandidierende ein mickriges Ergebnis von 53 Prozent der Stimmen. Klar, es fehlt der Super-GAU des Verdeutlichens von Vorbehalten: Der Kandidierende fällt durch. Aber dass Pantisano gerade so mit Ach und Krach gewählt wurde, spricht wiederum für die Linke. Erinnert das Ergebnis doch eher an das christliche Konzept der Gnade als gewissermaßen unverdientes Geschenk.
Am wenigsten verdächtig bei der Beurteilung der Linkspartei erscheint mir somit Joachim Gauck, ehemaliger Bundespräsident und zuvor Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. In einem Interview sagte er unlängst, es gebe gute Gründe, die Politik der Linkspartei abzulehnen, aber diese Partei sei durch den Zustrom jüngerer Leute wieder zu einem relevanten Faktor geworden. Und die Mitglieder der Linken hätten eine durchaus heterogene Auffassung von dem, was links sei. Für Joachim Gauck ist klar, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft würde, bräuchte man dann die große Koalition aller Gegner der AfD, und sie schließe selbstverständlich auch die Linkspartei ein.

