Besuch von Sami Adwan aus dem Westjordanland

Am Montag,   dem 15. Juni, kam Professor Dr. Sami Adwan zu Beratungen über die Weiterentwicklung der Städteprojektpartnerschaft zwischen Neuwied und der palästinensischen Stadt Surif im Westjordanland nach Neuwied. Er sprach mit Bürgermeister Peter Jung und dem Beigeordneten Ralf Seemann, mit Vertreter:innen mehrerer Stadtratsfraktionen und den Mitgliedern des Arbeitskreises Palästina der Lokalen Agenda 21. Bedrückend war Sami Adwans Bericht zur aktuellen Situation in Westjordanland. Ermutigt durch die rechtsextremen Kräfte in der israelischen Regierung bewaffnen sich die jüdischen Siedler im Westjordanland und schaffen eine Atmosphäre des Unrechts und der Gewalt wie im Wilden Westen. Gesetze und Regeln gelten nicht mehr.

Über 700.000 Siedler leben jetzt in den völkerrechtswidrig erbauten Siedlungen. Religiöse Extremisten brennen Häuser der palästinensischen Bevölkerung ab, zerstören Olivenhaine, stehlen Schafherden und vertreiben Menschen, weil sie behaupten, Gott habe ihnen das Land gegeben. Das israelische Militär schützt sie faktisch und hat über 1200 Kontrollpunkte im Land eingerichtet, wo die Mobilität phasenweise eingeschränkt oder ganz verhindert wird. 

Ermutigend sei, dass engagierten jüdische Israelis in das Westjordanland kommen, um die bedrohte einheimische Bevölkerung zu unterstützen und sie vor Übergriffen zu schützen. Dabei werden sie oft selbst Opfer von Gewalt. 

Auch wenn der Einfluss auf diese schlimmen politischen Entwicklungen schwierig sei, seien Solidaritätsinitiativen wie die Projektpartnerschaft zwischen Surif und Neuwied wichtig. Das derzeit laufende Projekt der Reparatur einer Wasserleitung sei wichtig für die Wiederherstellung der Grundversorgung mit sauberem Wasser. Weitere Projekte im Gesundheitswesen und zum Austausch zwischen Fraueninitiativen sind geplant. Solche Initiativen, so Sami Adwan, geben den Surifern Hoffnung und sind  Zeichen für den Glauben an die Menschlichkeit. 

Am 19. September veranstaltet der Arbeitskreis Palästina in Neuwied-Engers einen Fachtag von 10 bis 16:30 Uhr zum Leben im besetzten Westjordanland und zu den gesellschaftlichen Auswirkungen bis nach Deutschland. Weitere Informationen sind zu finden auf https://www.agenda-ring.de