Vor der Landtagswahl dort verlassen drei Kreisvorsitzende des BSW in Sachsen-Anhalt (Halle-Saalekreis, Burgenlandkreis und Mansfeld-Südharz) zusammen mit 18 weiteren Mitgliedern die Partei. Neben anderem beklagen die Austretenden eine Annäherung an die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD: „Auch im laufenden Landtagswahlkampf nehmen wir wahr, dass sich das BSW in Sprache und Themenwahl zunehmend an Positionen der AfD orientiert“. Dass eine BSW-Fraktion, wenn diese Partei denn in den sachsen-anhaltischen Landtag einziehen sollte, dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund ins Amt des Ministerpräsidenten verhelfen würde, falls die AfD die absolute Mehrheit der Sitze verfehlt, stellte Sahra Wagenknecht in der Bild-Zeitung klar:
Bei einer Wahl von Siegmund werde sich das BSW spätestens im dritten Wahlgang enthalten, wenn es nicht zu einer „Bürgerregierung“ mit einem überparteilichen Ministerpräsidenten komme, der mit einem Kompetenzkabinett und wechselnden Mehrheiten regiere. Dass AfD-Kandidat Siegmund das ablehnt, ist aus seiner Sicht vernünftig: „Was bringt es mir denn, ein formaler Ministerpräsident zu sein, ohne eine Mehrheit im Parlament?“ Um eine Alleinregierung zu erreichen, ist es für ihn nämlich wünschenswert, wenn auch das BSW nicht in den Landtag kommt.
Wenn es für die AfD im Sinne einer absoluten Mehrheit der Sitze nicht reicht, steht also das BSW bereit, per Enthaltung im dritten Wahlgang die dann nur noch nötige einfache Mehrheit für die erste rechtsextreme Regierung in der Bundesrepublik abzusichern. Was bedeutet das für das Neuwieder BSW? Am sinnvollsten wäre es, sich der sachsen-anhaltischen Austrittswelle anzuschließen. Man kann ja als lokale freie Wählergruppe weitermachen. Anders als die Babylonische Gefangenschaft ist das Dilemma der örtlichen BSWler nämlich eins, das sie selbst ganz einfach lösen können.
