Vortrag im LBZ Koblenz über die Gründung der weltweit ersten Winzergenossenschaft

“Wir hatten Wein genug, aber kein Brot”
– Die Geschichte der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr

 Bildnachweis: Winzergenossenschaft Mayschoß 
Koblenz. Die weltweit erste Winzergenossenschaft wurde 1868 im Ahrtal gegründet. 22 Winzer schlossen sich damals zusammen, um ihre Mayschosser Weine zu vermarkten. Damit wollten sie schwierigen wirtschaftlichen Entwicklungen entgegentreten, darunter dem Import billigerer Weine aus dem Ausland. Unter dem Titel “Wir hatten Wein genug, aber kein Brot – Die Geschichte der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e.G.” referiert Reinhold Kurth am 20. August 2026, 19 Uhr im Landesbibliothekszentrum Koblenz über die Hintergründe zur Entstehung der Genossenschaft.

Neben dem Vortrag werden Originaldokumente aus der Gründungszeit der Öffentlichkeit präsentiert. Diese werden seit 2025 vom Landesbibliothekszentrum als Dauerleihgabe aufbewahrt und für die Nachwelt erhalten.

In seinem Vortrag zeichnet Reinhold Kurth, Leiter der Vinothek Mayschoß, die Situation der Winzer im nördlichen Rheinland-Pfalz im 19. Jahrhundert nach, die zur Gründung der ersten Winzergenossenschaft führte:

Durch die Industrialisierung stiegen die Lebenshaltungskosten der Winzer an der Ahr. Zudem ebnete der Ausbau von Straßen und Eisenbahnen den Weg für die Einfuhr von billigeren ausländischen Weinen. Hinzu kam die Konkurrenz aus anderen Weinbaugebieten durch den Wegfall der innerdeutschen Zölle. Großen wirtschaftlichen Schaden richtete auch der Verkauf von künstlichen Weinen und Weinfälschungen an. Der Weinpreis fiel und insbesondere kleine Winzerbetriebe konnten ihre Kosten nicht mehr decken – trotz voller Weinkeller.

Mayschosser Winzer in den 1890er Jahren.  Bildnachweis: Winzergenossenschaft Mayschoß 

Einer Idee Johann Peter Cossmanns folgend schlossen sich 22 Winzer zusammen, um gemeinschaftlich die Mayschosser Weine zu vermarkten und gründeten am 20. Dezember 1868 die weltweit erste Winzergenossenschaft. In den 1870er und 1880er Jahren erbauten die Mitglieder Kelleranlagen, die zu den ältesten im ganzen Ahrtal zählen.

Durch einen Zusammenschluss mit der Winzergenossenschaft aus Altenahr 1982 und der Weinmanufaktur Walporzheim 2009 ist so über die Jahre eine Gemeinschaft von über 460 Mitgliedern entstanden, die heute eine Fläche von ca. 140 Hektar im ganzen Ahrtal von Altenahr bis Ahrweiler bewirtschaftet.


Am Abend besteht die Möglichkeit, bei einer Fassprobe der Weinmanufaktur Reitz aus Ernst/Mosel Wein der Rebsorte „Schwarz-Blauer Riesling“ zu kosten. Diese seit dem Frühmittelalter angebaute Rebsorte galt zwischenzeitlich als ausgestorben. 2008 wurden durch Zufall zwei uralte Rebstöcke an der Mittelmosel wiederentdeckt. Mittels vegetativer Vermehrung durch einen Rebveredler wurde die Sorte wieder in den Weinberg zurückgebracht und kann nun erstmalig genossen werden.

Der Vortrag findet begleitend zur Ausstellung „Geschichte(n) des Weinbaus: Die Bibliothek des Friedrich von Bassermann-Jordan“ statt (LBZ Koblenz, Laufzeit: bis 22. August 2026).


Veranstaltung:  „Wir hatten Wein genug, aber kein Brot – Die Geschichte der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e.G.”
                            - Vortrag von Reinhold Kurth, Leiter der Vinothek Mayschoß.

Termin: Donnerstag, 20. August 2026, Beginn: 19 Uhr

Ort: Landesbibliothekszentrum / Rheinische Landesbibliothek, Bahnhofplatz 14, 56068 Koblenz

Eintritt frei.