
REMET und die Smarte Region MYK10 lassen historische Orte in Mayen-Koblenz ab dem 10. Oktober lebendig werden
03.09.2026. PD-Nr. 195-2026
KREIS MYK. Maya macht große Augen. Die 14-Jährige liegt bäuchlings auf den staubigen Dielen des Dachbodens ihrer Großeltern. Unter einem alten Ohrensessel entdeckt sie eine Holzschatulle und zieht sie hervor. „Was hast du denn da gefunden?“, fragt Oma Anna, die mit Opa Alfred den Speicher ausmistet. Maya öffnet die Schatulle. Lächelnd nimmt Oma Anna eine kleine braune Ledermappe heraus. Darin liegt ein kunstvoll verziertes Kartenspiel. Doch kaum hebt sie die oberste Karte an, wirbeln die übrigen wie von Zauberhand um sie herum. Ein Strudel entsteht – und plötzlich ist Oma Anna verschwunden. „Anna!“, ruft Opa Alfred erschrocken. Maya entdeckt eine zurückgebliebene Karte auf dem Boden und hebt sie auf. „Häh, hat sich das da eben bewegt?“ Ungläubig starren beide auf die Karte, auf der plötzlich Worte erscheinen. „Eltz, Andernach, Monreal“, liest Opa Alfred. „Das ist doch alles hier in der Nähe.“ „Opa! Ich glaube, die Karte will uns sagen, dass wir da hinfahren müssen.“ Sofort machen sich die beiden auf den Weg. Werden sie Oma Anna finden?
Was klingt wie der Beginn eines Fantasy-Films, ist der Auftakt zu einer außergewöhnlichen Reise durch Mayen-Koblenz. Einer Reise, bei der ein Smartphone zur Zeitmaschine wird und die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit verschwimmen. „MYK – Spuren der Zeit“ heißt das neue touristische Erlebnis, das die Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (REMET) gemeinsam mit dem Smart-Cities-Projekt „Smarte Region MYK10“ entwickelt hat. Ab dem 10. Oktober können Gäste und Einheimische damit in MYK auf Spurensuche gehen und Maya und Opa Alfred auf ihrer Suche nach Oma Anna helfen. Denn die geheimnisvolle Karte führt sie zu sieben kulturhistorisch bedeutenden Schauplätzen im Landkreis. An Burg Eltz, der Sayner Hütte, im Mühlsteinrevier Rhein-Eifel, in Monreal, am Goloring sowie an Caesars Brücke bei Weißenthurm und am Laacher See müssen Aufgaben gelöst und Hinweise gesammelt werden, um herauszufinden, was mit Oma Anna geschehen ist. Die Technik dahinter heißt Augmented Reality, kurz AR, zu Deutsch „erweiterte Realität“. Wer die Kamera seines Smartphones auf seine Umgebung richtet, sieht weiterhin den realen Ort – auf dem Display gesellt sich jedoch eine digitale Ebene hinzu. Und plötzlich steht dort etwas, das in Wirklichkeit seit Jahrhunderten verschwunden ist. Menschen aus vergangenen Epochen tauchen auf, Objekte erscheinen wieder an ihrem ursprünglichen Platz oder dreidimensionale Modelle lassen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Das Smartphone wird so zu einem Fenster in eine vergangene Zeit. „Mithilfe der App heben wir diese sieben Sehenswürdigkeiten im Landkreis, die historisch und kulturell sehr wichtig sind, auf eine zweite digitale Ebene und machen damit Geschichte interaktiv erlebbar“, sagt der stellvertretende REMET-Geschäftsführer Michael Schwippert. Das Besondere daran: Dies geschieht unmittelbar am Originalschauplatz in Mayen-Koblenz. Nicht im Museum und nicht vom heimischen Sofa aus, sondern dort, wo Geschichte tatsächlich stattgefunden hat.

Mithilfe des Smartphones und Augmented-Reality können die Nutzer der App „MYK – Spuren der Zeit“ ab dem 10. Oktober eine Zeitreise im Landkreis Mayen-Koblenz antreten und Geschichte so ganz neu erleben. Fotomontage: GALLIONfilm/REMET
So können die Nutzer beispielsweise an der Stelle, an der Julius Caesar einst den Rhein überquert haben soll, dessen längst verschwundene Brücke wieder sichtbar machen. An anderen Stationen führen sie interaktive Gespräche mit historischen Figuren, betrachten Archivaufnahmen oder lösen Rätsel. Audios, Videos, Spiele und 3D-Modelle ergänzen das Erlebnis. Die Reise führt dabei durch einen erstaunlich großen historischen Zeitraum. „An den sieben Stationen wird die Vergangenheit lebendig. Kelten, Römer, das Mittelalter und die Frühphase der Industrialisierung werden erlebbar“, sagt REMET-Geschäftsführer Henning Schröder und betont: „Es geht gleichermaßen um Bildung und Erleben – neudeutsch um ,Edutainment‘.“
Die Auswahl der Stationen folgt dabei einer touristischen Idee: Bekannte Ausflugsziele sollen mit Orten verbunden werden, die bislang weniger im Fokus stehen. „Wir haben im Landkreis viele bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Burg Eltz oder auch Sehenswertes, das nicht so bekannt ist, wie den Goloring oder das Mühlsteinrevier Rhein-Eifel“, erläutert Schwippert und betont, dass eben darin ein wichtiger Mehrwert liegt. Die Geschichte um Maya, Opa Alfred und Oma Anna ist dabei weit mehr als nur schmückendes Beiwerk. Die Rahmenhandlung erzeugt Neugier, verbindet die Stationen dramaturgisch miteinander und liefert einen Grund, nach dem ersten Erlebnis auch weitere Orte aufzusuchen. Das mysteriöse Kartenspiel vom Dachboden wird dabei zum Wegweiser. „Auch die Nutzer unserer App erhalten diese Karte. Damit können sie die sieben Orte entdecken, spannende Aufgaben lösen und Maya und Opa Alfred helfen, Oma Anna wiederzufinden“, sagt Michael Schwippert.
Während sich digitale Technologie durch das gesamte Projekt zieht, wurde ausgerechnet bei den Personen in der App auf größtmögliche Realität gesetzt. Die historischen Figuren stammen nicht aus dem Computer, sondern werden von Schauspielern verkörpert. „Uns war es wichtig, bei aller digitalen Kompetenz, die Geschichten auch mit realen Personen zu drehen“, sagt Henning Schröder. Geschichte werde besonders dann greifbar, wenn Menschen eine Verbindung zu den Personen aufbauen können, die sie erzählen. Dabei richtet sich die App keineswegs ausschließlich an Touristen. Auch Menschen, die seit Jahrzehnten im Landkreis leben, sollen Bekanntes neu entdecken können. Gerade Familien und jüngere Nutzer gehören zur Zielgruppe. Statt Jahreszahlen und historische Fakten lediglich auf Tafeln zu lesen, werden sie Teil einer Geschichte. Sie suchen, entdecken, bewegen sich, lösen Aufgaben und entscheiden selbst, welchen digitalen Spuren sie folgen. Dass das Konzept schon vor seinem offiziellen Start Beachtung findet, zeigt die Nominierung für den Tourismuspreis Rheinland-Pfalz 2026. „MYK – Spuren der Zeit“ gehört in der Kategorie „Innovation des Jahres“ zu den drei nominierten Projekten. Für die Verantwortlichen ist das eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges. Durch die App erhalten Orte, die viele Menschen zu kennen glauben, plötzlich eine zweite Dimension. Was längst verschwunden ist, wird für einige Augenblicke wieder sichtbar. Für Maya und Opa Alfred ist all das allerdings zunächst Nebensache...
Die beiden haben ein sehr persönliches Ziel. Irgendwo zwischen Eifel, Rhein und Mosel muss sich die Antwort auf die entscheidende Frage verbergen: Wo ist Oma Anna? Ab dem 10. Oktober können Nutzer von „MYK – Spuren der Zeit“ ihnen bei der Suche helfen. Dabei werden sie schnell merken: Manchmal ist die Vergangenheit näher, als man denkt. Man muss sie nur sichtbar machen. www.myk-spurenderzeit.de
Wer hinter dem Projekt „MYK – Spuren der Zeit“ steckt
Hinter „MYK – Spuren der Zeit“ steckt ein mehrjähriger Entwicklungsprozess. Federführend sind die Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (REMET) und die Smarte Region MYK10. Gemeinsam mit den beteiligten Städten und Verbandsgemeinden, Touristikern und Fachleuten wurden historische Inhalte recherchiert und Konzepte für die digitale Inszenierung entwickelt. Für die technische und filmische Umsetzung wurde das Projekt europaweit ausgeschrieben. Unter 19 internationalen Bewerbungen erhielt ein Konsortium aus T-Systems, Telekom MMS, GALLIONfilm und dem Berliner AR-Spezialisten ZAUBAR den Zuschlag. Gemeinsam entstanden Filmszenen, 3D-Modelle, Spiele und weitere interaktive Elemente. Mehr als 800.000 Euro werden in das Projekt investiert. „Wir haben weder Kosten noch Mühen gescheut“, sagt der stellvertretende REMET-Geschäftsführer Michael Schwippert. Während die REMET die touristische und fachliche Seite verantwortet, übernimmt MYK10 insbesondere den finanziellen und organisatorischen Part. „MYK – Spuren der Zeit“ ist Teil der Smarten Region MYK10 und wird im Rahmen des Bundesprogramms „Modellprojekte Smart Cities“ durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie die KfW gefördert.
7 STATIONEN DES AR-ABENTEUERS IN MYK
Caesars Brücke über den Rhein bei Weißenthurm
55 v. Chr. wächst Caesars Brücke über den Rhein. Maya und Opa Alfred reisen ins alte Gallien und treffen auf römische Legionäre, die den Bau vorantreiben, während unter den Kelten Unruhe wächst. Dabei erleben sie, wie die Römer den Rhein überqueren wollen.
Goloring – Versammlungsstätte der Kelten
Vor 2.500 Jahren sprachen Druiden am Goloring Recht und lasen die Sterne. Ein keltischer Wachposten weist den Weg zur großen Versammlung. Die App-Nutzer reisen mit Maya und Opa Alfred zurück in diese Zeit, treffen die Wache und erfahren viel über den Goloring.
Das Geheimnis des Laacher Sees
Was brodelt unter dem Laacher See? Die Nutzer der App reisen mit Maya und Opa Alfred in die Zukunft ins Jahr 2065 und entdecken die schlummernden Kräfte der Eifel. Direkt am Ufer erleben sie ein AR-Abenteuer zwischen Sagen, Vulkanen und Wissenschaft.
Die Tuchmacherstadt Monreal
Im Jahr 1805 begegnen Maya und Opa Alfred in Monreal einer Spinnfrau, Tuchwebern, einem Dieb und dem heiligen Nepomuk. Die Spur des Diebes führt Maya zum Malerwinkel, wo sie ihn stellt und vor eine schwierige Entscheidung gestellt wird.
Burg Eltz – eine Höhenburg im Wandel der Zeit
Vor Burg Eltz geraten Maya und Opa Alfred in einen Handel zwischen einer Köchin und einem Gewürzhändler. An der Trutzeltz stellt sich Maya mit der Steinschleuder den Belagerern und Opa Alfred erlebt, wie sich die Burg vom grünen Hügel zur heutigen Anlage entwickelt.
Mühlsteine für die Welt aus dem Revier Rhein-Eifel
Die Reise führt Maya und Opa Alfred ins Jahr 1802 vor die Tore Andernachs, wo Mühlsteine gewonnen und in die Welt verschifft werden. Und in der Ettringer Lay begegnen sie Arbeitern, die vor knapp 200 Jahren mit Göpeln und Spitzhacken mühsam den Fels bearbeiteten.
Sayner Hütte – zwischen Hochofen und Gießhalle
Maya und Opa Alfred begegnen im Hof der Sayner Hütte der 1840er-Jahre dem Hüttenjungen Toni und erfahren, wie Kinder im Schatten des Hochofens aufwuchsen. In der Gießhalle erleben sie die mächtige Maschinerie in Aktion und tauchen in den Arbeitsalltag der Hütte ein.
STIMMEN ZUM PROJEKT
„Die Suche nach Caesars Rheinbrücke fasziniert die Menschen schon lange, handfeste archäologische Spuren des Gallischen Krieges fanden sich in unserer Region aber erst in den letzten 15 Jahren. Im Rahmen des Projektes ,MYK – Spuren der Zeit‘ wird nun ein möglicher ,Brückenschlag‘ mit modernsten Methoden der Öffentlichkeit vermittelt.“
Timo Lang, Leiter der Außenstelle Koblenz Direktion Landesarchäologie, GDKE
„Unsere Heimatgemeinde hat viele historische und kulturelle Schätze – der Goloring gehört zu den bedeutendsten, auch wenn er auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkt. Ich freue mich, dass dieses außergewöhnliche keltische Heiligtum durch das Projekt ‚MYK – Spuren der Zeit‘ der WFG nun digital erlebbar wird. So können Gäste, Interessierte und die Menschen aus unserer Region die Geschichte des Golorings auf eine ganz neue Weise entdecken.“
Martin Dötsch, Ortsbürgermeister der Gemeinde Kobern-Gondorf
„Fast 1.000 Jahre Klostergeschichte, der Laacher See und der Vulkanismus – rund um Maria Laach gibt es mindestens 1.000 Geschichten zu entdecken. ,MYK – Spuren der Zeit‘ zeigt, wie sich all das heute neu erzählen lässt: nicht nur zum Anschauen, sondern zum Entdecken, Mitmachen und Eintauchen.“
Jörg Neumann, Geschäftsführer Klosterbetriebe Maria Laach
„Ich freue mich sehr, dass Monreal Teil des Projekts ‚MYK – Spuren der Zeit‘ ist und wir die Geschichte unseres historischen Tuchmacherstädtchens auf diese moderne Weise erlebbar machen können. Ich hoffe, dass viele Menschen dadurch Monreal neu entdecken und sich für die Geschichte unseres Ortes begeistern.“
Conny Becke, Ortsbürgermeisterin der Gemeinde Monreal
„Wir freuen uns, dass unsere Gäste dank ,MYK - Spuren der Zeit‘ Burg Eltz auch Antworten auf solche Fragen erhalten, die wir in den Führungen aus Zeitmangel nicht vertiefen können. So erfahren sie multimedial und unterhaltsam mehr von Burg Eltz und zu ihrer eigenen Geschichte.“
Dr. Karl Graf zu Eltz, Burgherr
„Das Mühlsteinrevier RheinEifel ist ein außergewöhnliches Zeugnis einer 7.000-jährigen kulturellen Tradition – jetzt auch digital – und somit eine bedeutende ‚Spur der Zeit‘. Ich freue mich, dass im Rahmen des Projekts ‚MYK - Spuren der Zeit‘ die Kontinuität und der Wandel einer Technik in den Fokus rückt, mit deren Hilfe es möglich war, Getreide zu Mehl zu mahlen und damit Menschheitsgeschichte erlebbar zu machen.“
Jörg Lempertz, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mendig
„Die Sayner Hütte ist ein Ort, an dem Geschichte ganz unmittelbar erlebbar wird. Deshalb freuen wir uns sehr, Teil von ,MYK-Spuren der Zeit‘ zu sein und gemeinsam die Geschichte hinter diesem besonderen Ort auch digital sichtbar zu machen.“
Emma Hörstel, Geschäftsführerin Stiftung Sayner Hütte
