
Stadt verzahnt Angebote für Kinder und Familien
Foto: Christian Balthasar
Was bedeutet es, wenn die Kommune bei besseren Chancen für Kinder und Familien „am Steuer“ sitzt? Für Neuwied heißt es: Verantwortung übernehmen, genau hinschauen und Angebote nicht getrennt voneinander denken. Schulen, Jugendhilfe, Kindertagesbetreuung, Schulträger und weitere Partner sollen stärker zusammenarbeiten und Kinder von Anfang an begleiten. Diesen Ansatz stellte Bürgermeister Peter Jung beim 6. Spitzengespräch der Regionalagentur Kommunales Bildungsmanagement Rheinland-Pfalz–Saarland in Ludwigshafen vor. Dabei machte er auch deutlich: Mehr kommunale Gestaltungsmöglichkeiten bringen wachsende Aufgaben mit sich. Um sie dauerhaft erfüllen zu können, brauchen Kommunen verlässliche Rahmenbedingungen von Bund und Land.
Unter dem Titel „Die Kommune am Steuer: Bessere Bildungschancen – (k)ein Lippenbekenntnis!?“ diskutierten kommunale Führungskräfte sowie Vertreterinnen und Vertreter von Spitzenverbänden und Landesministerien über die Rolle der Kommunen. Neuwied hinterfragt dabei bewusst, was unter Bildungschancen zu verstehen ist. Denn Chancen entstehen nicht erst in Kita und Schule, sondern überall dort, wo Kinder aufwachsen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Foto: Christian Balthasar
„Chancen entstehen vom ersten Lebenstag an – in der Familie, in der Kita, auf dem Spielplatz, im Sportverein oder in der Jugendarbeit. Deshalb sprechen wir in Neuwied ganz bewusst von Teilhabechancen“, erklärt Jung. „Jedes Kind soll die Möglichkeit haben, sich gesund zu entwickeln, Freundschaften aufzubauen, sich sicher durch seine Stadt zu bewegen, seine Freizeit zu gestalten, mitzubestimmen und seine Fähigkeiten zu entfalten, unabhängig davon, in welchem Stadtteil es lebt oder welche finanziellen Möglichkeiten seine Familie hat.“
Dieser Blick prägt die kommunale Strategie. Ämter und Partner im Sozialraum sollen gemeinsam erkennen, was Kinder und Familien brauchen, um ihre Arbeit enger miteinander zu verzahnen. Sozialmonitoring und weitere Analysen zeigen, wo besonderer Bedarf besteht. Dabei folgt Neuwied dem Grundsatz, Ungleiches auch ungleich zu behandeln: Nicht jeder Sozialraum braucht dasselbe, sondern passende Unterstützung für die Menschen, die dort leben.
Gleichzeitig arbeitet die Stadt daran, Lücken entlang der Präventionskette zu schließen und bestehende Angebote besser zu verbinden. Kita- und Schulsozialarbeit, Quartiersmanagement, der „Neuwieder Weg“ und ein möglichst einfacher Zugang zu Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket greifen dabei ineinander. Als Modellkommune entwickelt Neuwied zudem Familiengrundschulzentren im Schulterschluss mit Land und Bund. Sie sollen zu Knotenpunkten im Sozialraum werden, an denen Bildung, Beratung und Unterstützung für Familien zusammenkommen. Auch beim Ausbau des schulischen Ganztags schaut die Stadt gezielt darauf, was Kinder und Eltern im jeweiligen Sozialraum brauchen.

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Als Kinderfreundliche Kommune richtet Neuwied dabei besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche, deren Familien von Armut betroffen sind. Mit „Teilhabe und Chancen für alle“ greift die Stadt eine zentrale Maßnahme ihres Aktionsplans auf. Die Kinderrechte bilden den Kompass für die ämterübergreifende Arbeit. Ziel ist es, Teilhabe zu erleichtern, Benachteiligungen früh zu erkennen und Kindern unabhängig von ihrer sozialen Ausgangslage Möglichkeiten für ihre Entwicklung zu eröffnen.
Für Jung wachsen mit einer stärkeren kommunalen Steuerung zugleich die Anforderungen an die Städte. Gerade bei Kindertagesbetreuung, Ganztag und langfristigen Unterstützungsangeboten können Kommunen diese Aufgabe jedoch nicht allein bewältigen. „Wir übernehmen diese Verantwortung in Neuwied. Sie ist für uns kein Lippenbekenntnis. Dafür brauchen wir starke Partner vor Ort, aber ebenso den Rückenwind von Land und Bund: verlässliche, transparente und dauerhaft tragfähige Strukturen. Nur im Schulterschluss können wir Teilhabechancen nachhaltig verbessern.“
