
Premiere in 126 Jahren Kammerhistorie: Athena und Janina Ebermann haben gemeinsam das Ziel Meisterbrief erreicht
Foto-Quelle: HwK Koblenz / Jörg Diester
KOBLENZ. Das hat es in der 126-jährigen Geschichte der Handwerkskammer (HwK) Koblenz noch nicht gegeben: zwei Schwestern absolvieren gemeinsam den Meistervorbereitungskurs im Stuckateurhandwerk bis hin zur Meisterprüfung. Die haben Athena und Janina Ebermann in getrennten „Sitzungen“ nacheinander bestanden. Als „Lehrling“ setzten sie dabei die eigene Mutter ein …
Athena (26) und Janina (24) Ebermann aus Koblenz erlernten nach dem Fachabitur den Stuckateurberuf im familieneigenen Unternehmen. Nun stellten sie sich dem letzten Teil der Prüfung auf dem Weg zum Meisterbrief – und das im 70-Gründungsjahr des Familienbetriebs Gewo mit Sitz in Koblenz.

Athena (rechts) und Janina (links) Ebermann zusammen mit Mutter (und Lehrling) Elke nach der bestandenen Meisterprüfung. In der finalen Prüfung wurden arbeitspädagogische Kompetenzen in der Vermittlung von Ausbildungsinhalten an einen Lehrling gefordert. Als Lehrling sprang Mutter Elke ein. Foto-Quelle: HwK Koblenz / Jörg Diester
Dabei mussten sie fachliches wie auch pädagogisches Wissen abrufen, denn geprüft wurden final Kompetenzen bei der Ausbildung eines Lehrlings. „Dafür hatten wir zwei Jugendliche aus unserem Betrieb angesprochen, die dann aber beide kurzfristig ausfielen.“ Die Alternative: Mutter Elke musste einspringen. Was sich als nicht ganz einfach herausstellte, denn die beiden Töchter mussten umdenken und die Mutter war eben mit Beginn der Prüfung nicht die Mutter, sondern Lehrling Elke. Und auch Elke Ebermann, die im normalen Unternehmensalltag im Büro des Familienbetriebs arbeitet, musste ihre Rolle wechseln und sich fest vornehmen, „hier bloß nicht zu bemuttern, sondern ernsthaft durch die Brille des Auszubildenden auf die gestellten Aufgaben zu schauen.“ Nach zweimal 30 Minuten Prüfungsfenstern war es dann geschafft und alle drei Ebermann-Frauen schauten sichtlich stolz auf das Ergebnis: bestanden! „Es war wunderbar, dabei gewesen zu sein und das kann mir keiner mehr nehmen“, verriet Elke, eingerahmt von den beiden Töchtern und ihren kleinen Meisterbriefen, die sie direkt im Anschluss der Prüfungsbewertung erhielten.
„Unser Opa schaut gerade ganz genau von oben zu, was hier geschieht“, schloss Athena den Firmengründer in die meisterhaften Geschehnisse des Tages ein. Opa Johannes, 1997 verstorben, machte sich 1956 selbstständig und übergab den Betrieb 1995 an Sohn Gerrit, der sich seit Jahren ehrenamtlich bei der HwK engagiert. Dessen Töchter hatten die freie Berufswahl „und unser Vater war gar nicht soooo begeistert, als wir uns gemeinsam für ein Praktikum mit anschließender Ausbildung bei ihm beworben haben. Das hat sich längst geändert“, erzählen die beiden Schwestern, die zumeist im Gleichschritt unterwegs sind. Denn nicht nur beruflich ticken die Ebermann-Frauen gleich. „Stellt man uns getrennt voneinander die gleichen Fragen, sind die Antworten eigentlich immer deckungsgleich.“ So verwundert es nicht, dass auch der Weg mit Meisterbrief im Einklang fortgesetzt werden soll. „Wir wollen gemeinsam den Familienbetrieb mit seinen 13 Mitarbeitern übernehmen – Schritt für Schritt und Seite an Seite.“ Opa Johannes, da sind sich die beiden einig, würde das ganz besonders stolz machen, denn sein Werk ginge dann nicht nur in gute Hände, sondern auch in die dritte Generation.

