Große Grünflächen, 1000 Bäume und Biodiversitätsrabatte sind ein Plus für Mensch, Natur und Klima
Foto: Michael Stoll/GSG
Der Herbst nimmt Einzug in unsere Region. Was bisher grün war, färbt sich ein. Die ersten Bäume verlieren ihre Blätter. Gärten, Parks und Grünflächen bedürfen jetzt besonderer Pflege. Das ist bei der GSG in Neuwied nicht anders: Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft verfügt allein in der Deichstadt rund um ihre Häuser und Kindergärten über 227.293 Quadratmeter Grünflächen. Das sind umgerechnet circa 32 Fußballfelder. Damit setzt die GSG seit Jahrzehnten bereits um, was angesichts des Klimawandels heute immer dringlicher gefordert wird: mehr Grün in der Stadt.

Die Wiesen- und Rasenflächen sind aber nicht nur wohltuend fürs Auge. Sie werden auch von Hausbewohnern genutzt, vor allem von den Kindern, die hier laufen und toben können. Insekten und Vögel finden Nahrung in Hecken und Sträuchern. 995 ökologisch wertvolle Laubbäume wie Linden, Ahorn etc. stehen auf den Arealen der GSG, rechnet Björn Müller vor, der bei der Wohnungsbaugesellschaft für das Grünflächenmanagement und das Baumkataster zuständig ist. Und das sind nur die, die im städtischen Kataster verzeichnet sind. Sogenannter „Wildwuchs“ ist da gar nicht mitgerechnet. Alle Bäume zusammen sorgen für Schatten und Frischluft gerade an heißen Sommertagen. 
Einmal jährlich überprüfen Kontrolleure der städtischen Servicebetriebe SBN jeden einzelnen der registrierten Bäume. Sind sie gesund? Wachsen sie zu weit in Gehwege hinein? Ist womöglich die Verkehrssicherheit gewährleistet? Dann müssen Mitarbeiter von Fachfirmen ran, um die Baumkronen zu pflegen. Sie kommen auch zum Einsatz, wenn Gehölze durch einen Sturm umknicken oder umfallen – wie zuletzt bei einem Unwetter in der Nacht zum 20. August. „Auch wir hatten Schäden, sind aber insgesamt mit einem blauen Auge davongekommen“, resümiert Björn Müller.

Björn Müller, bei der GSG für die Außenflächen verantwortlich, vor blühenden Biodiversitätsflächen am Zeppelinhof. Foto: Michael Stoll/GSG

Für die Rasenflächen, Hecken, Sträucher und Spielplätze der GSG Neuwied sind in der Hauptsache Kräfte der AWO Arbeit im Einsatz. Zehnmal im Jahr werden die Wiesen gemäht. Das Mulchen ebenso wie die tiefwurzelnden Laubbäume tun den Böden gut, die ja ein wichtiger Lebensraum für Organismen sind. Zugleich speichern sie reichlich CO2, dienen also auch dem Klimaschutz.
Zudem müssen die 37 Spielplätze an den Wohngebäuden wöchentlich gesäubert werden. Dabei wird der Sand mit dem Rechen durchgekämmt, um alles herauszufischen, was nichts im Sandkasten zu suchen hat. In einem Abwasch werden dann auch die Mülleimer geleert. Schließlich überprüft der TÜV einmal im Jahr Spielplätze und Spielgeräte, auf die ständig ein Auge geworfen werden muss, damit bei Bedarf repariert oder erneuert werden kann.
Den Menschen ein harmonisches, gesundes Zuhause im Grünen zu bieten, das war der Neuwieder GSG schon in ihren frühen Jahren wichtig. Kleine Vorgärten und Grünflächen im rückwärtigen Bereich von Häusern, die Mitte der 1920er-Jahre an der Engerser Landstraße entstanden, erinnern bis heute an sozialreformerische Bestrebungen. Die Sonnenland-Siedlung ist nach wie vor ein Paradebeispiel für die sogenannte Gartenstadt-Bewegung, die sich bessere Lebens- und Wohnbedingungen in städtischen Quartieren zum Ziel gesetzt hatte. 

Einer der 37 Spielplätze an den Häusern der GSG – ein Anlaufpunkt für Kinder und Eltern mitten im Grünen. Foto: Michael Stoll/GSG

Von der GSG werden auch alternative Bepflanzungen ausprobiert. Am Schlosspark etwa sind Rosenbeete angelegt worden. Und im Zeppelinhof sind Biodiversitätsflächen Trumpf: Hier blühen Wildkräuter und Blumen, die mit einer Spezialmischung ausgesät wurden und die heißen Trockenperioden gut überstanden haben. Natürliche Prozesse wie die Bestäubung der Pflanzen und die Erhaltung der Artenvielfalt werden damit befördert. Um das zu erreichen, dürfen diese Flächen – insgesamt sind es bei der GSG rund 12.600 Quadratmeter - nur zweimal im Jahr gemäht werden. Blühpflanzen und Insektenhotels locken zusätzlich noch nützliche Tiere wie zum Beispiel Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an.
Jetzt haben Bewohnerinnen des Zeppelinhofs selbst die Initiative ergriffen. Sie möchten, dass vorhandene Biodiversitätsflächen ausgedehnt, weitere hinzugenommen werden. Der ökologische Gedanke steckt dahinter, aber auch die Überlegung, dass das Grün auf den Wiesen rund um die Häuser in heißen Sommern nicht komplett verdorrt oder verschwindet. Björn Müller freut sich über das Engagement des Damentrios. Bei einem Treffen am Ort wird gemeinsam beratschlagt, ob und wie man dem Wunsch entgegenkommen kann. „Prinzipiell ist ja noch genügend Platz da“, sagt Müller. „Die Geschäftsführung wird das Anliegen jetzt prüfen und dann eine Entscheidung treffen.“