Komplexe Genehmigungsverfahren bremsten Inbetriebnahme aus

Foto: Nikolai Benner
Noch im November des vergangenen Jahres sah es so aus als könnte alles ganz schnell gehen: Die Landungsbrücke für den neuen Schiffsanleger 2, den die Stadt Neuwied in Zusammenarbeit mit der Schweizer Reederei Scylla geplant hat, lag bereits montagefertig bei der Andernacher Herstellerfirma bereit. Einzige verbleibende Herausforderung: An der Anlegestelle hatten sich Untiefen gebildet, die es nötig machten, vor der Installation der Landungsbrücke zunächst noch Ausbaggerungsarbeiten durchzuführen. Genau diese „kleine Herausforderung“ hat sich seitdem mehr und mehr als hartnäckiges Hindernis für die Fertigstellung der Anlegestelle für Hotelschiffe herausgestellt.

„Manchmal steckt der Teufel wirklich im Detail“, bringt Lena Höver aus dem Team des Neuwieder Stadtmarketings die Situation rund um den Schiffsanleger auf den Punkt. Die Crux: Im Rhein darf natürlich nicht einfach „drauflosgebaggert“ werden. Zunächst muss eine Bodenprobenentnahme per Spezialschiff erfolgen. Erst auf Basis der Ergebnisse dieser Beprobung entscheidet das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt dann, ob ausgebaggert werden darf oder nicht. „Schon die Probenentnahme Anfang des Jahres hat sich aufgrund des hohen Wasserstandes im Rhein verzögert“, führt Höver aus. „Bis der Abschlussbericht der Bodenbeprobung schließlich vorlag, war es dann bereits Ostern.“ Doch das lange Warten hat sich ausgezahlt: Das Probenergebnis fiel für Neuwied und Scylla glücklich aus, denn es ergab, dass der Boden an der Anlegestelle nicht belastet ist. Deshalb gab das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ende Mai grünes Licht und bestätigte damit offiziell, dass an der Anlagestelle gebaggert und der aufgenommene Boden an anderer Stelle wieder in den Rhein eingebracht werden darf. „Wäre eine Schadstoffbelastung im Boden festgestellt worden, hätte dieser aufwendig entsorgt werden müssen, was wiederum Mehrkosten nach sich gezogen hätte“, macht Höver deutlich.

An der Neuwieder Rheinuferpromenade sollen schon bald Hotelschiffe der Reederei Scylla anlegen können. Bis es soweit ist, müssen zunächst noch Ausbaggerungsarbeiten an der Anlegestelle – links von der Freitreppe – vorgenommen werden. Die Genehmigung dafür, dass hier gebaggert werden darf, liegen nach Monaten des Wartens endlich vor. Foto: Nikolai Benner

Allerdings ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt nicht die einzige Genehmigungsbehörde, die Auflagen an die Stadt Neuwied und die Firma Scylla stellt. „Für die SGD Nord hat die Scylla AG im Vorfeld bereits vier Gutachten erstellt. Jetzt ist noch ein fünftes zusätzliches Gutachten dazugekommen, welches die Behörde nachträglich angefordert hat“, erläutert Höver den aktuellen Stand der Dinge. Gleiches gilt auch für die Stadt Neuwied, die gemeinsam mit den SWN einen zweiten Anleger für die Tagesausflugsschifffahrt betreiben möchte. Die Stadtverwaltung steht diesbezüglich bereits mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord im Austausch und erstellt aktuell das geforderte Gutachten.

„Von außen betrachtet könnte schnell der Eindruck entstehen, dass das Projekt seit Jahresbeginn stillsteht – doch das ist nicht richtig. Im Hintergrund ist seitdem eine Menge passiert“, stellt Julia Kloos-Wieland, Leiterin des Neuwieder Amts für Stadtmarketing, klar. „Davon, dass jetzt alles ein wenig länger dauert, als wir und unser – in diesen Genehmigungsverfahren erfahrene – Partner Scylla gehofft hatten, lassen wir uns aber nicht entmutigen und gehen konsequent die weiteren erforderlichen Schritte, damit schon bald wieder Schiffe in Neuwied anlegen können.“