
Ein zartes Frühchen kämpft sich im Kemperhof erfolgreich ins Leben
Foto: Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein / Christina Ehricht
KOBLENZ. Mit nur 394 Gramm und 27 Zentimetern kommt am 2. Oktober 2025 ein echtes Wunder zur Welt: Die tapfere Kämpferin heißt Zeynabe und hat inzwischen stolze 2.770 Gramm und 52 Zentimeter erreicht. In der 26. Schwangerschaftswoche war klar, dass die Versorgung des Babys durch die Placenta nicht mehr ausreichend gewährleistet war. Alarmiert kam die junge Mutter sofort ins Perinatalzentrum Level 1 in den Kemperhof. Hier wurde ihre Tochter als extremes Frühchen auf die Welt geholt. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein Baby so klein sein kann. In meiner Heimat in Afrika hätte ich mein Kind sicher verloren“, erzählt Hadja Assiatou Diallo, die erst vor einem Jahr nach Deutschland gezogen ist. „Wir hatten nach der Geburt eigentlich gar keine Hoffnung, dass wir Zeynabe einmal so wie heute im Arm halten würden“, ergänzt Papa Mohamed Sylla.
Umso dankbarer sind beide für die Unterstützung, die sie von dem gesamten Team der Geburtshilfe und der Neonatologie erfahren haben. „Schon mein Bruder wurde hier im Kemperhof geboren und ich wusste, dass wir hier in besten Händen sind“, sagt Mohamed, während er seine kleine Tochter liebevoll im Arm wiegt. Sie braucht ganz viel Nähe und Körperkontakt – eine Aufgabe, der sich die glücklichen Eltern nur zu gerne stellen.
„Normalerweise sollten Babies in dieser Phase der Schwangerschaft ein Gewicht von etwa 800 Gramm erreicht haben“, erklärt Dr. med. Sebastian Friederichs, Leitender Oberarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, der die Geburt betreut hat. Dass Zeynabe deutlich weniger wog, war für das Team eine ganz besondere Herausforderung. Schon Frühgeborene mit einem Gewicht unter 1.000 Gramm gelten meist als sehr unreif und haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Komplikationen. „Zeynabe war nun nochmal deutlich kleiner. In den ersten Lebagen waren beispielsweise auch die weltweit kleinsten Beatmungsschläuche eigentlich zu groß“, erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Nüßlein. „Zeynabe hat aber, mit ihrer schon ganz früh erkennbaren Persönlichkeit und Energie, im Handumdrehen nicht nur ihre Eltern, sondern das gesamte Team für sich gewonnen“, erinnert sich der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

So viele Menschen und noch viel mehr haben alles dafür gegeben, das sich die tapfere Kämpferin Zeynabe nach 160 Tagen nun mit ihren Eltern vom Team des Perinatalzentrums Level 1 im Kemperhof ins Leben verabschieden kann. Sie kam vor fünf Monaten mit nur 394 Gramm in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt. Foto: Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein / Christina Ehricht
Dennoch liegen hinter der jungen Familie fünf anstrengende Monate voller Höhen und Tiefen, Hoffen und Bangen. „Ein ganz besonderer Moment für mich war, als ich Ende Februar das erste Mal über Nacht bei meiner Tochter in der Kinderklinik bleiben konnte und ihr beim Känguruhen ganz nah sein durfte“, erzählt Hadja rückblickend. Vorher war sie beinahe täglich mit Bus und Bahn von St. Goar nach Koblenz unterwegs, um so viel Zeit wie möglich mit ihrem Baby zu verbringen. „Das war sehr schwierig und zusätzlich belastend für mich. Ich hatte gerade erst angefangen, Deutsch zu lernen und fand mich noch nicht so zurecht.“
Nun geht es für die kleine Familie endlich nach Hause. Damit der Start daheim gut gelingt, kommt in der ersten Zeit täglich ein ambulanter Pflegedienst, um Mutter und Kind bei den Herausforderungen zu unterstützen, die nun vor ihnen liegen. Zeynabe hat sich zwar gut entwickelt, benötigt aber – recht sicher nur vorübergehend – noch zusätzlichen Sauerstoff und unterstützende Medikamente.
Im Kemperhof kommen jährlich rund 1.600 Kinder zur Welt. Mit der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin stellt der Kemperhof als Perinatalzentrum Level 1 die höchste Versorgungsstufe dar. Auf der neonatologischen und pädiatrischen Intensivstation kümmern sich rund um die Uhr Spezialisten für Frühgeborene um die Versorgung von rund 300 kranken Neugeborenen pro Jahr.

Foto: Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein / Kerstin Weber

