Untere Naturschutzbehörde zieht positive erste Zwischenbilanz:
2020 gestartete Naturschutzprojekt bei Alken und Niederfell haucht alten Weinbergsbrachen neues Leben ein.

03.12.2024 PD-Nr. 396-2024 Foto: Jörg Hilgers
KREIS MYK. Lichte Hänge statt zugewucherter Brachen: In den freigestellten Weinbergen bei Alken und Niederfell hat sich die Artenvielfalt positiv entwickelt: Wo vor vier Jahren noch großflächig Brombeere, Waldrebe und Schlehe wucherten, entstanden offene, besonnte Flächen mit über 250 Farn- und Blütenpflanzen. Es profitieren zahlreiche konkurrenzschwache Kräuter und Tierarten, deren Lebensräume mit dem Zuwachsen verschwunden waren. Inzwischen sind zahlreiche seltene Insektenarten wie der Segelfalter oder die bundesweit sehr seltene und bedrohte Zippammer zurückgekehrt. An den freigestellten Trockenmauern konnte sich die Mauereidechse stark vermehren – eine hervorragende Nahrungsgrundlage für die Schlingnattern. All dies und mehr sind Erfolge eines besonderen Naturschutzprojektes, das die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Mayen-Koblenz vor vier Jahren ins Leben gerufen hat.

Der Segelfalter ist einer der schönsten Tagfalter in Mitteleuropa. Er bewohnt trockene, steile Felshänge oder Weinbergbrachen mit Schlehengebüsch. Die Bestände sind akut gefährdet, in vielen Regionen Deutschlands ist dieser Schmetterling bereits ganz verschwunden.

Mit Mitteln der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz werden auf den insgesamt 16 Hektar großen Flächen, die von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord zur Verfügung gestellt werden, in den Winterhalbjahren regelmäßig Freistellungs- und Offenhaltungsmaßnahmen durchgeführt. „Wir schaffen und erhalten in der klimatisch begünstigten Steillage ein wertvolles Biotopmosaik aus Gehölzen, Wäldern, Trockenmauern und Freiflächen. Solche abwechslungsreichen Lebensräume bieten zahlreichen seltenen Vögeln, Insekten, Reptilien und Pflanzen auf Dauer eine Heimat.“, erläutert Tanja Stromberg, Referatsleiterin Naturschutz und Wasserwirtschaft von der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Mayen-Koblenz.
Aufgrund der Steilheit des Geländes können die Arbeiten nur motormanuell mit Freischneider und Motorsense durchgeführt werden. Dies erfolgt abschnittsweise von November bis Februar. Das Mähgut wird zusammengetragen und meist vor Ort verbrannt, teilweise auch auf Haufen als Teillebensraum für Kleinsäuger und Reptilien abgelagert.

Die Zippammer ist in ganz Deutschland akut bedroht, aktuell geht man in Rheinland-Pfalz von maximal 300, bundesweit von maximal 500 Brutpaaren aus. Besonders zu schaffen machen der Zippammer die Lebensraumveränderungen, die mit der Aufgabe traditioneller Nutzungsformen wie dem Steillagenweinbau und der Verbuschung ganzer Hänge einhergehen. Foto: Jörg Hilgers